Abenteuer in Aytos

Die Packtier-Suche

Die ersten Worte dieses Kapitels gebühren unserem Organisator Aykut, und unserem Dolmetscher Bechcet. Ohne die Beiden wären wir hier total aufgeschmissen, und müssten unverrichteter Dinge wieder heimfahren!
Unser Superheld 007 Aykut ist ein absolutes Organisationstalent und regelt hier, teils mit 3 Handys am Ohr, sämtliche Sachen in Windeseile. Dank seiner guten Beziehungen und unzähligen Verwandten war es möglich den ganzen hier nötigen Ablauf für den Kauf der Tiere von einigen Monaten auf wenige Tage zu verkürzen.
Der geduldige Bechcet hat seine sehr guten Deutschkenntnisse in über 10 Jahren Aufenthalt in unserer Heimat erworben, und hat uns auf Diversen Ämtern, bei Notaren, und nicht zuletzt beim Verkauf unseres Autos tatkräftig unterstützt.
Und das allerwichtigste: Diese beiden herzensguten Menschen sind in den wenigen Tagen hier zu wahren Freunden geworden!
Und natürlich Danken wir auch Peter der uns überhaupt erst den Kontakt zu Aykut hergestellt hat und für uns im Vorfeld großzügig recherchiert hat.

Die Suche

Nach 7 Tagen anstrengender und abenteuerlicher Fahrt sind wir am frühen Abend endlich in Aytos Bulgarien angekommen und wünschen uns nichts sehnlicher als endlich ins Bett zu kommen und mal eine kurze Pause einzulegen. Unser Organisator vor Ort, Aykut, erwartet uns samt unserem Dolmetscher Bechchet an einer Tankstelle am Ortseingang um uns zu unserer Pension zu bringen. Diese liegt versteckt am Rande der kleinen Stadt am Fuß eines Hügels. An seiner steil abbrechenden Felskante 100m vor unserem Fenster prangt das Logo des Bulgarischen Alpenvereins. Nach kurzer Dusche und einem hektischen Essen bricht auch unverhofft das straff durchgeplante Programm über uns herein. Aykut hat die nächsten Tage mit Besichtigungen von sämtlichen Eseln und Maultieren in 200km Umkreis vollgepackt. Die Suche scheint entgegen der Versprechungen von diversen Kontakten mit denen wir im Vorfeld gesprochen haben alles andere als einfach und billig zu sein. Aykut hat bereits vor unserer Ankunft 4 Tage im Auto verbracht um überhaupt 8 Tiere zu finden die auch nur annähernd an unsere Vorstellungen herankommen. Zu unserem Glück hat Er in jedem Dorf in der Nähe mindestens einen Schwager und nicht weniger als 10 Freunde.
Gegen 20.00 Ortszeit brechen wir also zu dem ersten Tier auf welches ungefähr 15 km entfernt steht. Mit achsbrecherischer Geschwindigkeit von bis zu 120km/h rast Aykut in der Dunkelheit über die löcherig zerfressene, kurvige Landstraße. Don und ich haben mühe das hecktisch verschlungene Abendessen im Magen zu behalten. In einem kleinem Dorf dessen Häuser in ebenso schlechtem Zustand sind wie die gerade erwähnte Straße werden wir in einen kleinen Verschlag geführt den sich Ziegen, Kühe und das Muli teilen. Im halbdunkel versuchen wir die Stute zu inspizieren, die von all den vielen Leuten die ihr zu dieser späten stunde all ihre Aufmerksamkeit schenken sichtlich verunsichert ist. Leider ist das Tier für unser Vorhaben viel zu klein….. also machen wir uns auf den Rückweg, und sind gegen 23.00 wieder im Hotel. Da wir den jetleg noch nicht verarbeitet haben und eigentlich komplett übermüdet sind stimmen wir nur widerwillig zu uns am nächsten morgen wieder um 07.00 (Deutschland 06.00) auf den Weg zu machen.
Heute wird es noch abenteuerlicher als Gestern….wir legen insgesamt 300km auf den Gehirnershcütterung verdächtigen Straßen zurück und besichtigen 9 weitere Tiere. Als erstes ein übergewichtiges und ein schwangeres Eselchen; also weiter….Die nächste Eselstute gehört einem alten krebskranken Mann der sich aufgrund seines baldigen Todes von dem Tier trennen muss. Für bulgarische Verhältnisse pflegt er einen sehr liebevollen und guten Umgang mit seinen Tieren. Mit großem Interesse beobachtet auch er unseren Umgang mit seiner Stute und scheint einverstnden. Das Eselchen ( 4 Jahre jung) ist Zuckersüß und in einem guten körperlichem Zustand. Wir verlieben uns sofort in das Langohr! Auch der Preis ist im Gegensatz zu allen anderen Tieren akzeptabel. Doch wir haben Bedenken über ihre eignung für unser Vorhaben, da wir nicht wissen wie trittsicher Esel in den Bergen sind. Aber das Tier kommt trotzdem in die nähere Auswahl, da es bis jetzt das einzig wirklich gesunde ist und nicht beißt oder ausschlägt… auch die Hufe und Zähne sind gut, Hufe aufheben und sogar reiten gehen problemlos.
Auf dem Weg zu Aykuts Favoriten, zwei Maultieren die in den Gebirgswäldern arbeiten, hält er bei jeder Gelegenheit an um sich nach weiteren Tieren umzuhören. So landen wir in einem total heruntergekommenen Zigeunerdorf. Tür an Tür drängen sich Holz und Wellblechbuden an beiden Seiten des schlammigen und mit Überresten brüchiger Steinplatten gepflasterten Weges. Bei mir werden Kindheitserinnerungen an die Slums in Brasilien geweckt…Aykut wirft uns ein harsches „Shut-up Don“ zu, bevor wir das Auto verlassen. Unsere „Seriosität“ soll nicht von einer Frau untergraben werden und sich nachteilig auf eventuelle Geschäfte auswirken, oder zu noch schlimmeren Komplikationen führen. Aus einem winzigen Verschlag, der eher an einen Hühnerstall erinnert, zaubert man schließlich ein schneeweißes und sympathisches Muli hervor. Leider sind seine Hufe so verfault das nur noch die Eisen das auseinanderbrechen verhindern. Während wir das Muli untersuchen kommen immer mehr Menschen aus ihren Verschlägen und beobachten kritisch unser Treiben. Schnell verstärkt sich das Gefühl das das kein guter Ort für uns „Touristen“ ist. Wir sind froh unseren Schutzengel Aykut an unserer Seite zu haben. Erleichtert das wir gesund und noch im Besitz aller unserer Habseligkeiten und Organe sind, verlassen wir das Slum.
In der nächsten türkischen Gemeinde (in Bulgarien leben mehrere Mio. Menschen mit türkischen Wurzeln) kommen wir endlich zu den 2 Mulis in die wir unsere meiste Hoffnung setzen da sie, wie vorhin bereits erwähnt Waldarbeit in den Bergen gewohnt sind. Doch schnell wird alle Hoffnung zu Nichte gemacht. Der Wallach macht bereits auf der kleinen Weide keinen guten eindruck. buckelnd, nerwös hin und her rennend schreit er nach der nahenden Mulistute. Als wir ihn begrüßen wollen schaut er uns kurz an gibt jedoch unmißverständlich zu verstehen das er von uns beiden nichts hällt und an keinerlei kontakt interessiert ist. Sein verhalten und der überwiegend dümmliche gesichtsausdruck lassen zudem ahnen das wir mit diesem tier keine freude hätten. Die Stute ist Anfangs etwas umgänglicher, hat gesunde Hufe, aber lahmt auf einem Hinterbein stark. Dons versuche die Hufe aufzuheben enden mit einem buckelnden und mit beiden beinen ausschlagendem Muli so wie einer in Deckung hechtenden Don.
Auch die weiteren Versuche ein Tier zu finden enden an diesem Tag erfolglos und so sind wir dementsprechend frustriert als wir Nachts wieder im Hotel ankommen.

Zum Glück können wir uns inzwischen auch ohne Dolmetscher gut mit Aykut verständigen… Unsere Kommunikation, welche aus kreativen Englisch , Deutsch , Polnisch und Bulgarisch Modifikationen sowie reger Verwendung von Händen, Füßen, Stift und Papier besteht, sorgen oft für Belustigung. So erfahren wir auch einiges über unseren Helfer den wir bereits nach dem ersten Tag ins Herz geschlossen haben. Wir sind heilfroh einen Mann wie ihn an unserer Seite zu haben. Bereits jetzt ist klar das wir ohne Aykut hier nicht die geringste Chance hätten irgendwas zu erreichen. Als ehemaliger Stadtratsvorsitzender kennt er entsprechend viele Leute in der Gegend und hat anscheinend eine riesige Familie die über den halben Balkan verteilt ist. Auch der Plan für die nächsten Tage steht schon: Noch ein paar Tiere besichtigen und dann von denen die in Frage kommen Blutproben nehmen und ins Labor schicken, Packsättel anfertigen lassen, die nötigen Papiere auf den Weg bringen, unser Auto verkaufen, und so weiter.
Am Samstag Morgen fahren wir bei unserer Besichtigungsrunde auch nochmal bei dem Muli vorbei das wir am ersten Abend besichtigt haben. Unsere Ansprüche haben sich mittlerweile an die Gegebenheiten hier angepasst. Zum Glück! Bei Tageslicht und im Freien sieht schon alles ganz anders aus…..Das Muli ist spontan einen halben Meter gewachsen, ( der Stellboden war extrem abschüssig , und das Tier ist im Vergleich zu den anderen Mulis hier recht groß) sieht gesund aus, lässt sich brav die Hufe aufheben, und macht einen sehr lieben Eindruck. Es landet auf Platz eins unserer Liste. Zu unserer großen Belustigung wird nochmal eindrücklich drauf hingewiesen dass das ca.270Kg schwehreTier ohne Mühe 500 Kg Holz tragen könne und Mann versucht uns einen leicht blutenden Insektenstich am Hals als “Monatsblutung” zu verkaufen…..Aber unsere Nummer eins steht fest, auch wenn Sie gerade ihre Tage hat 😉 Die restlichen Besichtigungen verlaufen ähnlich wie die anderen : viel Palaver, kranke oder sonst wie völlig ungeeignete Tiere…. Und so kehren wir Abends erschlagen, aber immerhin mit einem Esel und einem Maultier zur Auswahl in unsere Pension zurück. Nun Werden wir die nächsten Tage den organisatorischen Kram erledigen (bzw. Aykut wird das erledigen;-)

Mittlerweile sind 3 weitere Tage vergangen, und wir kämpfen uns durch den unglaublichen Dschungel der bulgarischen Bürokratie. Anscheinend ist es in dieser Gegend hier das erste mal das Tiere ins Ausland und an Ausländer verkauft werden. Blutproben müssen nach Sofia gebracht werden, Papiere ausgestellt werden, Vollmachten geschrieben, Unterschriften bei Bürgermeistern beglaubigt und Notariell gegengezeichnet werden.
Da man erstmal den Bürgermeister finden, dann ein ausgiebiges Palaver abhalten, türkischen Kaffee trinkenund unidentifizierbare, aber lekkere Sachen essen muss, während man unser unglaubliches Vorhaben schildert…bis anschließend alles in 3facher Ausfertigung mit 5 verschiedenen Stempeln und mehreren Unterschriften offiziell bestätigt werden kann, benötigt man für 2 Unterschriften schnell mal den ganzen Tag. Zum Glück meistert Aykut all diese Schwierigkeiten mit links, und wir bekommen von allen Seiten freundliche und großherzige Unterstützung.
Auch mit dem Tierarzt dem Aykut organisiert hat haben wir mal wieder riesen Glück. Nicht nur das es der nächste überaus nette Mensch ist mit dem wir zu tun haben, er hat auch gute Beziehungen zum Hauptveterinäramt in Sofia, und so kommen die Blutproben unserer hoffentlich zukünftigen Tiere in ein Paar Tagen durchs Labor, und nicht wie üblich in ein paar Wochen. Auch opfert er sofort als er von der Dringlichkeit hört seinen wohlverdienten Feierabend, und ist bis in die Nacht unterwegs um die Tiere zu untersuchen, zu impfen und zu chipen. Er bestätigt zu unserer Freude nochmal die außergewöhnlich gute Gesundheit und meint das die Blutuntersuchungen mit größer Wahrscheinlichkeit gut ausfallen dürften.
Heute ist der erste bisschen ruhigere Tag. Endlich ein wenig Zeit uns selbst und unser Material zu organisieren und die Stadt nach dem letzten benötigten Equipment zu durchkämmen.
Aykut hat nach schwieriger Suche 4 Sattler ausfindig gemacht, die die Packsättel fertigen könnten. Nur um die Leute überhaupt kennenzulernen und Ihnen unser Anliegen und Anforderungen klarzumachen dürfte wohl ein weiterer Tag draufgehen. Unterdessen warten wir gespannt auf die Ergebnisse der Blutuntersuchungen, damit wir dann die Sättel in Auftrag geben können und die letzten organisatorischen Hürden in Angriff nehmen können , bevor es endlich losgehen kann !!!!

Warten

many big kilometrä


Es kommt mir so vor als wäre es schon eine Ewigkeit her, seit dem das Blut vor 6 Tagen, (am Mittwoch) ins Labor gebracht wurde. Von den Ergebnissen hängt der Erfolg der ganzen bisherigen Bemühungen ab. Sollten diese nicht positiv ausfallen, wäre alle Arbeit der letzten tage um sonst!Müssten wir neue eitre suchen, hätten wir ein reisen Problem!. Bis auf einen Wallach, der am morgen vor unser Besichtigung abgehauen ist um einen Ausflug in die berge zu machen, haben wir bereits alle bekannten Tiere gesehen. Es ist also verständlich, das wir auf glühenden Kohlen sitzen. Auch Aykut müsste sich dringend um seine eigenen Angelegenheiten kümmern und hofft auf positive Ergebnisse.

Die warte zeit versüßen zeit Abende an denen wir einmal mehr die umwerfende Türkische Gastfreundlichkeit genießen dürfen. Einmal lädt uns Aykut und seine Familie in ein tolles Restaurant ein, wo wir königlich speisen und einen sehr lustigen Abend verbringen, das andere mal lädt uns Bechcet zu sich nach hause ein. Seine Frau zaubert uns ein tolles Menü und umsorgt uns rührend.

Wir erfahren auch viel interessantes über Bulgarien und auch speziell Aytos, seine Geschichte und Menschen.

Unterdessen stellt sich heraus, dass die Geschichte mit den Packsätteln nicht ganz so einfach ist wie gedacht. Julian ist mehrmals mit Aykut unterwegs. Beim angeblichen Sattler, mit ihm zum „Katrr“ ausmessen ( so wird Muli auf Bulgarisch ausgesprochen und gehört mittlerweile zu unseren absoluten Lieblingswörtern!), dann wieder zurück, oder doch nicht und hin und her, und da hin auch noch, wer war ich noch mal, oder sind wir das??….maby we have littal broblem! Maby!….

…So heute wurden in Sofia unsere die Pässe und Blutergebnisse abgeholt! Aykuts Freund ist damit beauftragt beides abzuholen. Er sitzt bereist seit Freitag in Sofia fest, da das Veterinäramt, am Freitag spontan wegen eines hier weit verbreiteten „Freitag Nachmittag Kakerlaken Befalls“ frühzeitig geschlossen wurde. Heute morgen nach vielen internen Telefonaten wurde geklärt das er die Papiere in Empfang nehmen kann. Spätestens morgen hat das warten also ein ende!

Bis dahin können wir uns weiterhin darüber den Kopf zerbrechen wie wir die Nächsten scheinbar unlösbaren aufgaben meistern! ….Das Katrr und das Esche ( türkisch Esel…der Esel stammt aus einem türkischen Dorf) müssen einander vorgestellt werden und möglichst schnell an einander gewöhnt werden, damit man sie so schnell es geht, an einander binden kann. Laut aussagen der jetzigen Besitzer und unserer Einschätzung der Tiere sollte das kein grundsätzliche Problem darstellen, ist jedoch einen spannende Aufgabe. Vor allen da wir ja auch noch die Hunde haben die jederzeit bereit sind irgendwelchen Unsinn zu machen , wenn man sie nicht in ihre Schranken weißt.

Dann muss das Katrr an den Sattel gewöhnt werden. Die Süße hatte ihre erste Bekanntschaft mit solch einem Gegenstand gemacht als der Sattler beim Maßnehmen da war. Es gilt ihr möglichst schnell dieses merkwürdige Ding auf ihrem rücken schmackhaft zu machen. Wahrscheinlich werden wir es so machen das am Anfang das Esche, welches bereits Reiter und somit lasten auf dem rücken gewohnt ist mehr Gewicht trägt. Nach und nach werden wir es dann auf das Muli umladen welches die besseren körperlichen Voraussetzungen für schwere lasten hat….and last but not least… die Mulihufe… wie bereits erwähnt sind diese zwei Stuten die mit Abstand besten Tiere die im weiten Umkreis zu bekommen sind. Die Hufe der Mulistute haben jedoch schon lange zeit keinen Hufschmied gesehen und benötigen dringend eine Überholung. Wir haben nicht lange drüber diskutieren müssen um uns einig zu sein das es am besten sein wird wenn ich mit Hilfe einer lieben Bekannten, welche eine hervorragende Hufpflegerin ist (eigentlich könnte man sagen Pferdeorthopäde) die Hufe selber mache. Die Organisation eines Hufschmiedes könnte wieder Tage dauern und die Qualität reine Glückssache….also wird das auch noch spannend…ich werde auf jeden Fall versuchen meine bei Elisabeth bereits erworbenen Kenntnisse so gut wie möglich umzusetzen und dem Muli kein Bein abzuscheiden.