Aufbruch in Sicht!

Gestern ist endlich die erlösende Nachricht gekommen! Beide Tiere erfreuen sich bester Gesundheit!

Das Muli heißt Kamchia, dieser Vorschlag kam von unseren lieben Aykut. Es ist der Name eines Flusses der in der nähe des Dorfes fließt aus den die kleine stammt und in dem Aykuts Großvater wohnte. Das Eselchen wurde nach dem hilfsbereiten Tierarzt aus Burgas benannt und heißt vorerst Slavia, was so viel wie Nachtigall bedeutet…wir sind gespannt sie das erste mal singen zu hören! 😉 Die Papiere sind fast fertig, Ich habe heute den Kaufvertrag für Kamchia unterschrieben!:-)… und man glaubt es nicht, nach vielfältigsten Komplikationen und scheinbar unendlichen Kilometern auf den inzwischen liebgewonnenen Buckelpisten haben wir einen finalen Sattelplan in die Wege geleitet. Lange haben wir den Aufbau und die Funktion der traditionellen bulgarischen Sättel studiert.(Sie unterscheiden sich stark von den in Deutschland üblichen. Der Wohl wichtigste unterschied ist, dass die Sättel hier über die Schulter hinaus gehen und am Halsansatz aufhören. Das Gewicht soll von den Vorderbeinen aufgefangen werden und den rücken entlasten. Zu dem sind die Sättel mit einem an die Körperform angepassten sehr dickem Polster ausgestattet, welches die last gleichmäßig verteilen soll. Unsere kaum gepolsterte Sättel hingegen liegen zwischen den Vorder- und den Hinterbeinen rein auf dem rücken, der die Hauptlast auffangen muss. Dafür entlasten sie die Schulter und garantieren hier optimale Bewegungsfreiheit.) Diese wichtige Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen und nicht einfach gemacht worden! Die Befürworter des bei uns üblichen, aber kaum noch genutzten Lastsattels fanden den hiesigen schrecklich und gesundheits- gefährdend. Die Bulgaren hingegen, schlugen die Hände über dem Kopf zusammen als sie Fotos von deutschen Modellen sahen.„ Das kann man den Tieren doch nicht antun! Ihre armen rücken! Euer steinzeitlicher Sattel wird in kürzester Zeit den Muli rücken ruiniert haben! Unsere Sättel, werden seit Generationen gebaut und ständig optimiert, sie schonen den rücken. Ich kann euch einen Sattel nach eurem Vorbild machen, aber nur schweren Herzens , da ich diese Bauart nicht befürworten kann!“ sagt mir Heute ein sehr erfahrener alter Sattlermeister. Ich habe seine Sättel nochmal genau unter die Lupe genommen, sie auch am Tier in Bewegung gesehen und seine Argumentation erscheint mir nun auch durchaus plausibel. Zumal habe ich hier noch kein einziges Tier gesehen welches einen schlechten rücken hatte! In Deutschland hingegen gibt es massenweise Pferde mit Rückenproblemen. Vielleicht haben diese Bulgarischen Sättel die jetzt speziell für unsere süßen angefertigt werden andere Schwachstellen. mich haben sie jedenfalls, trotz anfänglicher großer Skepsis überzeugt! Hoffentlich nicht zu unrecht, sie Sind genau so wichtig wie für uns Menschen die Wanderschuhe!

Auf dem Rückweg von Gradec, dem Heimatort des Sattlers quert eine 15 Tiere starke Herde Pferde die Fahrbahn mit dabei eine Fuchs-Stute mit ihren 1-2 Monate altem langbeinigem Fohlen. Aykut berichtet das in Bulgarien viele Pferde in Zeiten in denen sie nicht für Arbeiten gebraucht werden frei durch die Berge streifen. Auch viele Rinder dürfen sich frei bewegen. Brauch der Besitzer sein Tier, zieht er los in der Hoffnung es möglichst schnell zu finden und fängt es wieder ein.

Leider kommt es des öfteren zu Verkehrsunfällen durch die frei umherstreifenden Herden. So verunglückte vor einiger Zeit auch Aykuts Cousin tödlich. Bei einer nächtlichen Autofahrt taucht aus der Dunkelheit unvermittelt ein Pferd vor seinem Auto auf, ein ausweichen war nicht mehr möglich.

Auch wenn die Unterbringung im Dorf und die medizinische Versorgung dürftig sind, führen viele dieser Tiere ein beneidenswertes leben von dem manch ein deutsches Tier nur träumen kann.

An dieser stelle möchte ich auch sagen dass die Tiere grundsätzlich in einem besserem körperlichem und auch seelischen zustand sind als ich es aus manch anderem Land kenne und ehrlich gesagt auch erwartet habe! So gut wie alle schauen wohlgenährt, gepflegt und recht zufrieden aus. Ob es nun die Pferde, die in der Stadt herum streunenden Katzen oder die Hunde sind. Zugegeben führen viele Hunde ein leben an der Kette, ich frage mich jedoch ob ein durchschnittlicher Deutscher Hund ein so viel besseres leben hat? Tag für Tag wartet er stundenlang einsam, eingeschlossen in seinen vier Wänden die keinerlei Abwechslung bieten, auf sein Besitzer. Viele dürfen dann nur an der Leine und ohne Kontakt zu Artgenossen für eine kurze zeit nach draußen um frische Luft zu schnuppern. Ist das so viel besser als draußen an in der sonne zu liegen, nach fliegen zu schnappen und auch mal über die vorbei kommenden Nachbarn zu schimpfen?….

Übermorgen, am Samstag können wir die Sättel abholen und planen einen Umzug nach Tchukarka, das Dorf in den das Eselchen wohnt. Das Muli wird mit einem Kleintransporter dorthin gebracht und der letzte schritt die Zusammenführung der Tiere und die Gewöhnung an die Packsättel kann losgehen!

 

„Friending process“

 

Die ersten Worte dieses Kapitels möchten wir Mr. Georg Basotev widmen der uns dem Start mit unseren Tieren maßgeblich erleichtert hat. Angefangen von Transport in einem Standardmäßigem Pferdetransporter, bis zur Ermöglichung eines guten „friending processes“. Bevor er sich bereiterklärte die Tiere zu transportieren wurde uns sogar der Transport auf der Ladefläche eines Pickups ohne seitliche Begrenzungen angeboten! So wahren wir unendlich glücklich über diese sichere Transportmöglichkeit. Außerdem erlaubte uns Georgie großzügiger weise kostenlos 2 Freiluftboxen in seinem Stall zu nutzen um uns mit den Tieren anzufreunden und zu trainieren bevor wir uns in die Wildnis wagen.

Für all das sind wir Ihm zu tiefstem Dank verpflichtet.

Wiedermal ist es anders gekommen als gedacht, ausnahmsweise jedoch besser! Wir sind nicht nach Chukarka gezogen. Dort hätten wir in einem Abbruchhaus mitten in einer Müllhalde die als Garten bezeichnet wurde und einem Plumpsklo aus der Zeit des 2ten Weltkriegs wohnen können. Für die Tiere gäbe es einen schlauchförmigen düsteren ca. 2m hohen verschlag als Stall. Dieses 2-Sterne Hotel haben wir (wieder mal Dank Aykuts Beziehungen) gegen eine Unterbringung in Burgas in einem der wenigen Pferdestelle Bulgariens getauscht… zumindest die Tiere wohnen dort in einer komfortablen, überdachten Freiluftbox. Wir haben indessen in Sichtweite der Tiere ein 4-Sterne Hotel in Form eines alten Baucontainers, welcher als Lager genutzt wird und einen eignen „Garten“ hat bezogen…zumindest für 2 Nächte , dann haben wir es doch vorgezogen in unseren Palast (das Zelt) umzuziehen. Der Stall hat im Gegenteil zu Chukarka auch eine Toilette und eine Dusche die wir mitbenutzen können. Auch wenn diese bei der ersten Besichtigung so intensiv nach Pferd gestunken haben das ich die Vermutung hatte das sie ausschließlich von diesen genutzt werden, lernten wir in den folgenden Tagen diese Örtlichkeiten sehr zu schätzen!
Zu all den brauchen wir hier nur das Futter für unsere Süßen zahlen!…Wir fühlen uns hier sehr Willkommen.

 

Angekommen sind wir hier am 19.04 gegen 21.00 Uhr. Wie schon befürchtet war das verladen der Tiere nicht ganz einfach. Besonders das kleine Eselchen hat sich schwer getan. Eigentlich wollte ich das verladen, evtl. mit der Hilfe des Besitzers, in die Hand nehmen und hatte mir dafür einen tollen Plan ausgetüftelt. Doch während ich noch mit den letzten Formalitäten beschäftigt war hatte sich Mr. Basotev, der Besitzer des Pferdeanhängers und unser Ansprechpartner im Stall das Tier geschnappt und stand nun ziehend vor der Rampe des Anhängers mit der unkooperativen und verschüchterten Aische. Die zahlreiche Familie Emins, welche gekommen war um das Spektakel mit anzusehen, beäugten das Tauziehen mit großen Interesse.
Dies war der Beginn eines unkontrollierten chaotischen Treibens. Jeder versuchte es auf seine Weise und gleichzeitig sein Bestes gebend das arme Tier in den Hänger zu bekommen. Die Sprachbariere machte das ganze zusätzlich Interessant. Zum Glück kam Irgendwann der Bürgermeister, der auch zugegen war auf die glorreiche Idee dem Esel die Augen zu verbinden. Gemeinschaftlich schafften wir es dann Aische in den Hänger zu schieben. Endlich verladen schleicht Basotev, wie auf rohen Eiern über die schon oft beschriebene Buckelpiste nach Planinica um Kamchia abzuholen. Hier verlief das Verladen erstaunlich kurz und schmerzlos. Eine Decke über den Kopf und dann ohne jegliche Diskussion in den Hänger. So soll das laufen!
Auf dem Weg nach Burgas fragt uns Mr. Basotev ob wir evtl. damit einverstanden währen am folgenden Tag ein Interview für eine kleine lokale Zeitung zu geben. So abgehärtet wie wir in zwischen sind, stimmen wir bedenkenlos zu. Vielleicht können wie ja für den Stall ein wenig Werbung machen und uns so für die Gastfreundschaft revanchieren.
Am nächsten Morgen klingelt um 9.00Uhr das Handy. Aus dem kleinen Zeitungsinterview ist inzwischen ein ein Fernsehinterview geworden die Reporter kündigen sich für 10.00 Uhr an…na ja dann also das Fernsehen, so schnell sind wir nicht mehr zu schocken…dachten wir!
Pünktlich um 10.00 Uhr kommt Mr. Basotev um die Ecke und hat ein kleines Fernsehteam im schlepptau. Wir stellen uns kurz vor und besprechen den Ort des Interviews. Während dessen Hat das Team eine wundersamen Vermehrung erfahren und ist auf die doppelte Größe angewachsen. Irgendwie scheint es mehr als nur ein Sender zu sein, der mit uns sprechen möchte! Also gut! Es geht los uns werden hunderte Fragen gestellt. Warum wir So ein Projekt machen, ob wir denn keine angst vor den bösen Zigeunern hätten, warum wir ausgerechnet diese strecke gewählt haben, warum ausgerechnet diese Tiere, warum, warum und weshalb denn überhaupt? Endlich meinem wir alle Fragen beantwortet zu haben verabschieden uns von den Reportern. Da merke ich, das die wundersame Reportervermehrung währenddessen ungebremst vorangegangen ist. Inzwischen sind ganze Horden da! Sie schwirren vor den Boxen der armen Tiere die vor lauter Stress spontan Durchfall bekommen haben, und warten auf ihre Gelegenheit mit den verrückten Deutschen sprechen zu können. Nach und nach beantworten wir, immer mehr verwirrt die Fragen für mehre Fernseh- und Radiosender, Zeitungen und Internetportale. Was für ein Überfall vor dem Frühstück!
In den nächsten Tagen merken wir deutlich das wir nun Fernsehstars sind. Immer wieder sprechen uns Menschen auf der Straße an und stellen uns Fragen. Ein merkwürdiges Gefühl so berühmt zu sein!
28.o4
Heute ist Samstag. Die Zeit hat sich wiedermal auf Bulgarische weise selbstständig gemacht! Der „Freinding-Process“ läuft nach anfänglichen Schwierigkeiten recht gut. Es war ja gedacht das wir uns beide um Aische und Kamchi kümmern. Wir wollten uns dabei regelmäßig abwechseln um zu beiden Tieren einen guten Draht zu bekommen. Da es sich jedoch sehr schnell herausgestellt hatte, dass die ach so friedfertige und lammfromme Kamchi es Faustdick hinter den Ohren hat bin ich, auf Grund meiner größeren Erfahrung zu ihrer Hauptbezugsperson geworden. Schon an ersten Tag nach der Ankunft in Burgas zeigte sie deutlich das sie, wenn man sie nicht mit körperlicher Gewalt daran hindert, durchaus eigene Meinung hat die sie auch körperlich ver-tritt. So sah ich mich nach einer Meinungsverschiedenheit über die Marschrichtung verdutzt einem steigenden Muli gegenüber. Mit zugegeben etwas zittrigen Beinen und trockenem Mund schimpfte ich sie und versuchte dabei so cool und unbeeindruckt zu wirken wie es mir in dieser Situation nur möglich war. Erstaunlicher weise dachte ich mir „Oh das war ja gar nicht soo riesengroß wie ein normales Pferd!“ und schaffte es sogar meinen weiteren plan umzusetzen anstatt das größenwahnsinnige Muli in die sichere Box zu führen. Erste runde ging an Mich !! In den nächsten Tagen versuchte die kleine Nudel noch nach mir auszuschlagen, mich zu beißen, mich zu treten und mich zu treiben…. alle Runden gingen an mich!! Gewaltfrei!!
War mir die ganze Sache etwas leichter machte war die Tatsache das sie mich anscheinend gerne hat. Inzwischen werden wir beide regelmäßig mit glucksenden Geräuschen begrüßt, die auch vor jedem inzwischen recht friedlichem Spaziergang zu hören sind. Es ist dem ranghohen Muli nicht übel zu nehmen das sie wissen möchte woran sie ist und wo ihre Grenzen sind.
Mit Aische sind sie gut befreundet, sie trinken gleichzeitig aus einem Eimer, fressen von einem Heuberg, und Aische hat des öfteren eine von Kamchis liebkosungen angesabberte Stirn.
Mit dem Packsattel ist sie wie man sich vorstellen kann noch nicht richtig warm geworden. Zum anziehen muss ich sie heftigst kraulen und ablenken sonst gibt es fürchterliches Theater welches höchstwahrscheinlich mit aller seitigem Nervenzusammenbruch und Sattelbruch enden würde.
Die Kehrseite der Medaille…
..haben wir mittlerweile auch kennengelernt.
Der erste Sattel war für die Tonne, natürlich durften wir trotzdem den vollen Preis zahlen, und es hat 4 Tage gekostet….
Die nächsten 2 Sättel haben wir uns aus Südbulgarien schicken lassen, mit dem versprechen nur den Transport zu zahlen und sie erstmal anzuprobieren. Dann wollte der Versandservice auf einmal alles per Vorkasse, und als wir uns entschlossen hatten das Risiko nicht einzugehen, durften wir dann nochmal kräftig zahlen weil wir die Sättel ja Angeschaut hatten ( Aber nicht Ausgepackt). Wieder 2 Tage zum Teufel gejagt. Dann hatten wir endlich einen Sattlermeister gefunden der auch was von seiner Arbeit verstand, und uns wirklich gute Sättel in kürzester Zeit maßgefertigt hat. Dann ging´s schon wieder weiter….jetzt brauchten wir noch die Gurte und Satteltaschen. Wieder einen Tag um den Meister Mitko zum Maßnehmen zu Fahren, aus den versprochen 2 Tagen wurden 4 Tage…… Spätestens sein „ Heil Hitler!“ als er erfahren hat das wir aus Deutschland Kommen, hat die Sympathie endgültig zu nichte gemacht. Naja als dann mit reichlich Verspätung die Sättel mit den Gurten wieder bei uns waren ( konnten natürlich in der Zeit nicht mit den Tieren üben..) waren alle Gurte zu kurz! Also dem Trottel wieder hinterher telefonieren, 2tage warten bis er endlich antanzt, um uns dann zu erzählen das er auch noch Geld dafür haben will seinen Schrott nachzubessern! Also gut, nützt ja nix.. Leider waren unsere Satteltaschen mittlerweile auch bei ihm, da noch ein paar Gurte aus Leder zur Aufhängung dran mussten….wieder 2 tage Später War dann endlich alles bei uns…….Die Gurte jetzt alle mit ordentlich Übermaß, (habe ich dann aber lieber selber einen Tag investiert uns nachgearbeitet,) und bei den Taschen war jedes Teil das Mitko in der Hand hatte total versaut! Aufhängungen an der rechten und linken Satteltasche auf unterschiedlicher Höhe, Die Verschlüsse schließen nur bei sperangelweit geöffneter Tasche,usw…..
Geendet hats damit das ich 3 Tage lang Meister Mitko zur Hölle gewünscht habe, nochmal genau soviel Kohle in Werkzeug und Material investiert habe wie die Taschen eigentlich gekostet haben, und versucht habe zu retten was zu retten war……ob die Taschen und Gurte jetzt die Strecke durchhalten wird sich dann zeigen…wenn nicht geht’s mit Blaulicht zurück, um Mitko höchstpersönlich in die tiefste Hölle zu befördern!
So nun aber genug geschimpft! Ansonsten haben wir ausnahmslos nur mit sehr netten und hilfsbereiten Leuten zu tun.
Herr Basotev z.B. hat uns umsonst in dem Stall untergebracht, die Tiere Transportiert, und uns zu Fernsehstars gemacht;). Geplant waren ja eigentlich nur ein paar tage Aufenthalt in Burgas, aber durch die ganzen Probleme sind mittlerweile 2 Wochen draus geworden. Aber Herr Basotev nimmt das zu unserem Glück alles sehr gelassen hin, auch wenn er mittlerweile zum 3ten mal einen Transport organisiert hat und sich dann doch wieder alles um ein paar Tage verschiebt.
Gestern Abend und heute gabs wieder den nächsten Aufschub…. beim nacharbeiten der Taschen haben sich schon die ersten Nähte aufgelöst, aber dank der Hilfe von Bechchet war das Problem bis Abends behoben, und die Taschen nachts wieder bei uns. Heute früh der nächste Koller! Vorgestern hatten wir bei Kamchi eine kleine Schwellung am Rücken festgestellt, die dann Heute früh (Montag, geplanter Tag der abfahrt) nochmal deutlich dicker war. Der eilig herbeigerufenen Tierarzt diagnostizierte dann das sie anscheinend einen Schlag auf den Rücken bekommen hatte, und die Schwellung erst mal 4-5 tage abklingen müsse bevor wir ihr einen Sattel anziehen können. So sitzen wir hier auf glühenden Kohlen und gepackten Sachen, und müssen uns morgen ans Cap fahren lassen da der Pferdeanhänger dann Erstmal wieder unterwegs ist. Momentan sieht der Plan so aus das wir versuchen werden da irgendwo ein nettes Plätzchen zu finden, und dort noch ein paar Tage zu warten bis wir dann endlich los können!
Aber wenigstens konnten wir uns ausgiebig mit den Tieren anfreunden. Auch ich hatte anfänglich meine Probleme mit der Eseldame, aber mittlerweile habe ich die nötige Selbstdiziplin, Geduld und Demut erlernt. Meine anfänglichen Fehler habe ich mit einem blauen Daumen bezahlt, als Aische meinte es reicht jetzt mit Hufpflege, und sie würde lieber meinen Daumen essen als das Leckerli. Auch das Hängergehen haben wir schon erfolgreich geübt, da die kleine Maus mit Futter zu allem zu überreden ist 😉 Bei ihr läuft es allerdings genau andersrum als bei Kamchi, auf der ersten hälfe des Spaziergangs ist sie nur äußerst widerwillig von ihrer Box und dem Futter wegzubewegen und so geht es bis zum Umkehrpunkt nur im Schneckentempo vorwärts. Kamchia hingegen ist immer äußerst aufgedreht und findet es sehr spannend Unterwegs zu sein und neue Sachen zu erleben. Don dreht dann immer wieder kleine Runden um uns nicht endgültig abzuhängen. Auf den Heimweg hat Kamchi immer relativ wenig Lust, und macht dementsprechend Unsinn, wogegen Aische es dann immer sehr eilig hat, da sie das mittlerweile eingebürgerte Ritual des 15 Minütigen grasens nach dem Spazierengehen schon kennt. Unterwegs werden wir wohl Kamchi eine Karotte an den Hintern binden müssen um Aische die hinter ihr geht in Bewegung zu halten. Dank eines netten Einstellers hier gibt’s es jeden Abend großzügig Freigang auf seiner kleinen privaten Weide mit Elektrozaun. Anfangs waren die beiden wenig begeistert, da sie die ersten 2 tage nicht verstanden haben wer oder was sie da immer beisst wenn sie zu dem besonders leckeren Grass wollten. Und besonders das Eselchen mit den großen Ohren hat einem echt leid tun können wenn es mal wieder den Kopf unter dem Zaun durchgesteckt hat uns die Ohren zum Blitzableiter wurden.
Wir haben uns mittlerweile ganz gut an die neue Umgebung gewöhnt und den Kulturshock verdaut.
Die allgemeine Stimmung ist meistens recht gut bis heiter, da wir eingesehen haben das wir die Dinge so nehmen müssen wie sie kommen, und das halt alles seine Zeit dauert. Natürlich kriegt man immer wieder kurzzeitig die Krise wenn sich der Aufbruch schon wieder verzögert, aber da muss man die Zähne zusammenbeißen und durch. Ganz blauäugig hatten wir ja mal gehofft das wir von unserem Aufbruch in Deutschland bis zum Start am Cap Emine maximal 2,5 Wochen Brauchen würden. Nun sind schon über 5 Wochen vergangen, die sich aber eher nach 5 Monaten anfühlen, und es kommen natürlich schon Bedenken auf ob die Strecke dann zu bewältigen ist wenn das so weitergeht. Aber Momentan befinden wir uns ja in unbekanntem Land, und wenn wir erst mal in der Wildnis sind und in unserem Element, hoffen wir das die Dinge besser laufen, auf besseres Vorankommen und weniger unerwartete Herausforderungen. Natürlich ist das reines Wunschdenken, und es ist klar das dann auch extrem Anspuchsvoll wird, aber dann sind wir wenigstens mal Unterwegs in der Wildnis und müssen nicht an Ort und stelle ausharren. Wir haben uns die letzten 2 Jahre ja auch mit allen erdenklichen Sachen auseinandergesetzt die für eine solche Unternehmung( ich scheue mich immer noch das Wort Expedition in den Mund zu nehmen, da es per Definition irgendwo zwischen Fernwanderung, Expedition und totalem Wahnsinn liegt;) zu bedenken sind, haben es von vorne bis hinten versucht so gut es geht zu planen, haben trainiert, wie die blöden gearbeitet und Sponsoren gesucht um das zu finanzieren. Und laut unseren Recherchen und Gesprächen mit diversen Leuten die sich vermeintlich in Bulgarien auskennen hätte der erste Teil unseres Unterfangens, Tiere und Packsättel zu kaufen, der leichteste sein müssen. Was dann da wohl noch alles auf uns zukommt wenn wir erst mal unterwegs sind?

 

https://www.youtube.com/watch?v=C228-exlLb8