Delpsee

30km; 2100 hm; 07. – 08.08.2010

Paradies an der österreichischen Grenze

Tag 1

Es ist ein sehr heißer Tag, als wir über eine kleine, zauberhafte Forststraße Richtung Delpsee aufbrechen. Das enge Tal, das die Straße durchläuft, scheint nicht viel besucht zu sein. Gegen Mittag kommen wir an einer Brücke vorbei und machen einen kleinen Abstecher, um am Fluss, den wir von unserem Weg aus durch tiefe Schluchten haben rauschen sehen, ein wenig Abkühlung zu finden. An einem wunderschönen, großen Gumpen sitzend beobachten wir während des Essens „kleine Pisser“. Kleine rostbraune Schmetterlinge, die sich um und auf uns setzen. Mit ihrem Hinterleib scheiden sie immer wieder einen Tropfen klare Flüssigkeit aus, die sie dann mit ihren Rüsseln wieder aufsaugen. Wahrscheinlich soll der Tropfen Mineralien und Nährstoffe lösen, die die Tiere dann bequem aufsaugen können…. interessante Technik. Für die Übernachtung haben wir uns ein kleines abgelegens Hochtal mit einem See ausgesucht, der sich in einem spektakulären Wasserfall über mehrere Stufen 500m talwärts stürzt. Das Stück mit dem Wasserfall ist die letzte Etappe des Tages. Nach einer letzten Pause im kühlen Schatten, nehmen wir die für unsere Verhältnisse steile und auch etwas ausgesetzte Passage in Angriff. Da wir von der Hitze schon recht müde sind, wird mit jedem Meter das Stöhnen lauter. Gejammer ist unser Treibstoff. Als wir aber endlich den immer höher werdenden Steilhang erklimmen und über die Kante auf den Delpsee schauen, ist alle Schinderei wie weggeblasen. Wie funkelnde Edelsteine liegen zwei kleine Seen (nicht wie angenommen nur einer) eingebettet zwischen drei felsigen Gipfeln. Die Weiden rundherum scheinen sehr schonend bewirtschaftet zu werden. Sie sind in zwei Teile geteilt so dass die Wiese genug Ruhezeit hat, um sich von den Weidetieren zu erholen. Sie wird von Kühen, Pferden, Schafen, Gämsen und Murmeltieren bewohnt, die sie auf unterschiedliche Weise nutzen und düngen. Das alles zusammen führt zu einer einmaligen Pflanzenvielfalt. Die Wiesen blühen in allen erdenklichen Farben und Formen! Es wird ein sehr romantischer und luxuriöser Abend, für den wir vor Fett triefende leckere Käsewürstchen und eine dicke Portion Brownies herauf geschleppt haben.

Tag 2

Am zweiten Tag, begrüßt uns ein herlicher Sonnenschein welcher die Weiden in goldenes Licht taucht. Wir wollen über den Grat der Laviderwände und den Berg Kotzen zurück bis zum Parkplatz laufen. Auf dem Weg zu den Laviderwände überqueren wir einige saftige Weiden. Wir haben alle Hände voll zu tun, die temperamentvollen Jungrinder , die in Scharen angelaufen kommen, von den Hunden fern zu halten. Sie scheinen für die neugierigen Kühe eine tolle Attraktion zu sein und möchten sie genau unter die Lupe nehmen – was für die Hunde verständlicherweise etwas unheimlich ist. Auf dem Gratweg angekommen ist die Sonne bereits so heiß, dass wir uns erst mal alle vier unter eine Latsche quetschen, um uns für das nächste schattenlose Wegstück abzukühlen. Als wir weiter laufen, ist vor allem der Len schwehr begeistert. Besonders die Stellen, an denen er vom Wegesrand aus seine Krallen über den Abgrund hängen kann, haben es ihm angetan. Ich hingegen muss feststellen, dass ich, anders als gedacht, doch Höhenangst habe. Magisch zieht mich der tiefe Abgrund an. An Stellen, an denen es links und rechts steil hinunter geht, habe ich das Problem, mich nicht entscheiden zu können, zu welcher Seite ich herunterfallen soll. In Kombination mit den wahnsinnigen Hunden, die aufgedreht in der Gegend rumspringen und dabei mehr Respekt vor dem nahen Kuhzaun als vor dem Abgrund haben, fordert mich die Strecke so stark, dass ich irgendwann aufgeben muss. Vor allem, da vor uns noch ein langes Stück mit schwierigem Gelände liegt, das wir nicht genau einschätzen können. Mist!! Schweren Herzens steigen wir quer über die steile Weide zum nächsten Wanderweg ab und nehmen die gemütliche Route durchs Tal zum Auto. Die vielen noch verbleibenden Kilometer durch die wunderschöne Landschaft werden unglaublich heiß. Wir haben uns von der Karte wieder mal täuschen lassen, die versprochen hatte, uns durch schattige kühle Wälder zu führen. Statt dessen laufen wir fast den ganzen Tag über Wiesen in der prallen Sonne. Unter jedem zweiten Baum, an dem wir vorbeikommen, kühlen wir uns ab und trinken badewannenweise Wasser. In den 2 Tagen hatten wir insgesammt einen Wasserverbrauch von 19L! Als wir schließlich gegen 20.00 in Bad-Tölz für´s Abendessen einkaufen, hat es laut Thermometer auf dem Parkplatz immer noch knapp 30°C: Später stellt es sich heraus, dass es in der Gegend, wo wir waren, rekordverdächtige 40°C hatte. Gut, dass wir so viel Wasser hatten und nicht einfach verdampft sind!