Allein In der Wildniss – der Traumurlaub

8Tage; 97km; 7120hm
Tag 1: Der Ring

Der Rucksack ist gepackt, Biwak getestet, endlich kann es losgehen.
Schon seit langem fühle ich mich von der Gegend der Wildalpen und des Hochschwab magisch angezogen. Ohne die Karten genauer zu studieren breche ich auf um die Gegend zu erkunden. Lediglich der Klausgraben, mein Startpunkt so wie der Teufelsee, dem ich ebenfalls einen Besuch abstatten möchte sind mir bekannt. Welche Route ich nehmen werde und was ich überhaupt während der 10 tage machen möchte, werde ich spontan entscheiden.  So fährt mich also Julian  tiefste Dickicht wo wir gemeinsam ein Stück in den malerischen  Klausgraben hineingehen. Als eine geeignete Stelle gefunden ist wildert er mich schweren Herzens aus.
Nun ist es Zeit ein Wildtier zu werden!

Als ich alleine bin studiere ich das erste mal die Karte um einen geeigneten Platz zum übernachten zu finden. Ca. 5km entfernt finde ich einen interessante Felsformation. Der „Ring“ ist ein Kessel der bis auf einen schmalen Eingang von Steilhängen umgeben ist.Der Ringboden scheint recht flach zu sein und sollte einen wunderbaren Schlafplatz abgeben.
Im Ring angekommen bin ich überwältigt von der grandiosen Landschaft. Aus den gezackten Steilwänden um mich herum fließen unzählige Geröllflüsse, die sich am Talboden zu einem riesigen Strom vereinen. Auf seiner langsamen Wanderung talauswärts ist der Strom zum Teil von mutigen pflanzlichen Pionieren besiedelt. Aus allen Richtungen höre ich es rieseln und poltern, wenn wieder eine der vielen Gämsen  die Wände quert. Die Vögel singen, Schmetterlinge flattern im Nachmittagslicht. Ich fühle mich geborgen wie in der Hand eines gutmütigen Steinriesen. Welch ein toller Ort, ich freue mich schon auf die Nacht!
Ich lasse mein Rucksack in der Wiese liegen und gehe die Umgebung auskundschaften.  Als ich eine Anhöhe erklimme atme ich mit einem tiefen Atemzug ein auf dem Gras sitzendes Insekt ein. Ein Snack? Oh verdammt NEIN! Das Insekt bekommt Panik und wehrt sich gegessen zu werden! Jetzt weiß ich auch was es ist: eine Stinkwanze! Am eigenen Leib kann ich mich nun davon überzeugen wie hervorragend der  Gestank als Fressschutz  funktioniert. Wild würgend, keuchend und röchelnd versuche ich nach Leibeskräften dieses widerliche Tier wieder aus meinem Hals zu befördern. Nach einer gefühlten Ewigkeit voller Verzweiflung schaffe ich es dann endlich die Wanze auszuspucken. Da mein Wasser leider beim Rucksack ist und ich den unfassbar schrecklichen Geschmack nicht ausspülen kann kämpfe ich noch kurz mit dem Würgereiz bis die unliebsame Begegnung endlich überstanden ist.

..noch nicht ganz ein Wildtier und vom Rest meiner Menschlichkeit verunsichert fällt es mir etwas schwer mich für den endgültigen Übernachtungsplatz zu entscheiden. Ich gehe mal hierhin, mal da hin und finde letztlich den perfekten Platz. Am hinteren Ende des Ringes unweit einer der steilen Felswände, sitze ich nun in einem lichten, grasigem Wald und koche mein Abendessen.

Als es anfängt zu dämmern erwacht der Ring zum leben. Während ich selig den Tiergeräuschen um mich herum zuhöre versinke ich langsam im Schlaf.

Tag 2: Edelboden

Herrlich ausgeschlafen wache ich gegen 8.30 auf und schmiede beim Kaffee Pläne. Nach Studien der Karte wird klar, dass der beste Weg zum Teufelsee über den Hochschwab führt. Da Morgen bereits für Mittag schwere Gewitter erwartet werden beschließe ich Heute, bis zur Edelbodenalm auf halber Höhe zu gehen. Morgen werde ich dann in aller früh aufbrechen um noch vor dem Wetter meinen tonnenschweren Rucksack die restlichen 700Hm bis zur Biwakschachtel hinaufschaffen.Dort kann ich dann in aller Ruhe das Gewitter genießen.

Um auf den Edelboden zu kommen werde ich eine Abkürzung über einen unmarkierten Weg nehmen.
Auf dem Weg aus dem Ring hinaus treffe ich ein nettes Paar. Der Mann berichtet dass er von mir gewählte Weg nicht zu finden ist bzw. nicht mehr vorhanden ist. Da ich am Tag zuvor jedoch einen Wegweiser gesehen habe will ich mich selber davon überzeugen. Wenn es noch irgendwelche Wegspuren gibt werde ich sie finden! Am Wegweiser angekommen suche ich und glaube fast schon der Mann hatte recht, doch dann studiere ich nochmal die Karte, gehe einmal quer durch den Wald und habe den Weg gefunden. Weiter oben ist er sogar ausgiebig markiert.
Am Sattel angekommen bietet sich mir ein wunderschöner Blick auf die Nordseite des Hochschwabmassives und die idyllische Lichtung des Edelboden. An ihrem unteren Ende, unweit des Waldes stehen 2 Hütten. Da es scheint, dass keiner da ist werde ich in ihrer Nähe übernachten. So kann ich auf einer Veranda schlafen, sollte es regnen. Da die Quelle an der ich Wasser hohlen wollte ausgetrocknet ist, muss ich leider nochmal 300Hm absteigen bevor ich endlich kochen kann.

Glücklich höre ich beim einschlafen 2 Rehen im Wald zu. Für mich sind die Nächte im Wald immer etwas besonders und geben mir das Gefühl ein Teil der Natur zu sein.