Die Fahrt

23 – 29.03.12
ca. 3000km; nicht so viele hm;

…sooo, seit wir am Nackenberg zu unserer vermeintlichen 5 Tage langen gemütlichen Fahrt gestartet sind, ist es inzwischen 10 Tage her. Ich sitze in einem kleinen gemütlichen Hotelzimmer mit Berghüttenflair am Rand der Stadt Aytos in Bulgarien, ca. 40 km von unserem Startpunkt entfernt. Rückblickend erscheint mir der erste Tag der Fahrt nicht wirklich erwähnenswert, nach all dem was wir in den folgenden schrägen Tagen erlebt haben. Die ganze Fahrt , die ich/wir uns so gemütlich vorgestellt hatten , war ein einziges Abenteuer. Angefangen hat es für uns richtig nach der nicht enden wollenden Fahrt durch das unglaublich öde Flachland Ungarns am 2ten Tag. Kurz vor der rumänischen Grenze, ist beim „alten Onkel“ unsrem liebenswerten Opel Astra (Baujahr 1993) welchen wir für die Fahrt erworben hatten, ein rasselndes Geräusch in der Brust zu vernehmen. 1000 km von zuhause und 2000km von unserem Zielpunkt entfernt beunruhigte es uns natürlich sehr. Im tiefsten Ungarischen Hinterland, hinter einem der kleinen Dörfer mit seinen alten grauen Häusern bleiben wir stehen um seine Eingeweide unter der schweren Motorhaube genauer zu untersuchen. Nach einer Telefonkonferenz mit meinem Dad (Jurek) beschließen wir dass der Onkel noch 100km bis in die nächste größere Stadt, in Rumänien durchhalten muss. Die Straße ist inzwischen den schäbigen Häusern angepasst und so erreichen wir, den Badewannen großen löchern ausweichend, sichtlich gestresst gegen Abend Satu Mare. Hungrig und müde steuern wir einen großen Kaufland-supermarkt an um einzukaufen. In dieser erstaunlich fremd anmutenden Umgebung, mit ihren dunkelhäutigen Menschen der staubigen alten Architektur, und den Müllbergen am Straßenrand ist er eine bekannte Oase. Laut berichten von Freunden sollte es kein Problem darstellen sich in großen Städten englisch zu verständigen. Beim shopping im Kaufland machen wir jedoch die gegenteilige Erfahrung. Hier trifft uns, so mitgenommen wie wir gerade sind, endgültig der Kulturschock. Obwohl wir ja beide oft im Ausland waren und meinten zu wissen was uns erwartet sind wir vom ganzen Tag überfordert und verstecken uns anschließend im erstbesten Hotel mit bewachtem Parkplatz. Hier sollten wir und unser bis unters Dach voll beladener Onkel gut aufgehoben sein.
Am nächsten Morgen fragen wir, da es Sonntag ist , wenig hoffnungsvoll den jungen Mann an der Rezeption nach einer Werkstat. Leider bestätigt er unsere Vermutung das auch hier am Sonntag alles still steht. Wir haben jedoch riesiges Glück da er ein Hobbymechniker ist und uns anbietet einen blick auf unser Auto zu werfen. Er untersucht es sorgfältig und gibt uns schließlich grünes Licht für die weiterfahrt…Fehlalarm, alles in bester Ordnung! Auch die vielen röchelnden und halb auseinanderfallenden Autos die hier rumfahren ermutigen uns unsere Reise fortzusetzen. Unser Auto ist im top Zustand.

Frohen Mutes steuern wir unser erstes Depot an. Davon sind in Rumänien insgesamt 4 geplant. In die Depots packen wir jeweils 15 kg hochleistungs Hundefutter, Fertigfutter für uns, Medizin, und einigen Kleinkram.
Ein weiteres Depot müssen wir während der Fahrt in Bulgarien anlegen. In der Slowakei wird uns Jurek mit Nachschub versorgen, und in Österreich hoffentlich Freunde die versprochen haben uns ein paar Tage zu begleiten.
In Orasu Nu einem kleinen Bergdorf machen wir uns auf die Suche nach dem Priester um in der Dorfkirche unser Depot anzulegen. Don findet eine alte Frau die selbstverständlich kein englisch spricht. Bemüht ihr klar zu machen das wir einen Priester suchen singt sie ein Ave-maria und zelebriert eine halbe messe….erfolglos… Don ruft schließlich ihren freund Lorand, der Rumänisch spricht an und bittet um Unterstützung. Die nächsten tage erweist er sich noch als unverzichtbarer Übersetzungsheld! Beim Telefonat stellt sich heraus das der Priester verstorben ist, und wir uns auf Gottlosem und gesetzlosem Land befinden. Also geht es weiter!
Den nächsten Anlauf unternehmen wir in der kleinen Stadt Seini. Auch dort gestaltet sich alles sehr kompliziert, aber letztendlich haben wir nach einem halben Tag sucherei unser Depot in der Garage von Prior Pop angelegt. Natürlich nur dank Lorands Hilfe der uns inzwischen einen SMS geschrieben hat welche unsre anliegen beschreibt und die wir auf der Suche vorzeigen können.
Nachdem es mittlerweile 15.00 Uhr ist, und wir für dieses Depot und ca. 30km Strecke fast den ganzen Tag gebraucht haben ist klar das wir Heute das 2te Depot nicht mehr schaffen. Vorsichtig fahren wir weiter über abenteuerlich gelöcherte Straßen und sitzen gegen 21.00 Uhr endlich im Hotel.
Am nächsten Tag steuern wir Toplita an wo wir versuchen wollen das 2te Depot anzulegen. Nach den Schwierigkeiten die wir damit gestern hatten erscheint es uns der erfolgversprechendste Ort im weiten Umkreis zu sein. Das Anlaufen des Depots sollte für uns später, verständlicher weise nicht all zu viel Umweg bedeuten.
In Toplita angekommen fahren wir auf den Parkplatz vor dem Gemeindehaus und wollen einen Polizisten der eifrig einen Strafzettel schreibt nach den Parkgebühren fragen um ebenfalls einen Strafzettel zu vermeiden. Einmal ins Gespräch gekommen endet das damit, dass die gesamte Dorfpolizei samt Polizeichef aufläuft um uns einen Priester zu organisieren welcher bereit wäre unsere Sachen zu lagern. Wiedermal ist uns der rumänisch sprechende Lorand eine reisen Hilfe um die Sprachbarriere zu überwinden.
Letztendlich landen wir im kleinen Häuschen der herzlichen Orthodoxen Priesterfamilie und dürfen nach einem netten Plausch in überraschend gutem deutsch, Kaffee und Keksen unser Depot anlegen.

Mittlerweile ist es wieder früher Nachmittag, und langsam dämmert uns das wir wohl auch die nächsten Tage kaum mehr als ein Depot und 300km schaffen werden. Wir versuchen uns zwar, abgesehen von den Abstechern zu den Depots, auf den laut Straßenkarte „First class roads“ fortzubewegen, aber leider sind sie größtenteils alles andere als first class…. immer wieder müssen wir das Auto zwischen Löchern durch manövrieren, die zum Teil so groß sind, dass wir befürchten, sollten wir eines übersehen, samt Auto darin komplett zu verschwinden. Immer wieder schleicht sich die Vorstellung ein unser armer, alter Onkel könnte mit den Straßen Verhältnissen überfordert sein und spontan in seine Einzelteile zerfallen! Zu dem gibt es Hier sehr viele Pferdekarren denen wir ausweichen müssen.
Durch die typisch rumänischen Dörfer, mit ihren winzigen,süßen Häschen, die sich dicht an dicht am Straßenrand drängen, kämpfen wir uns bis nach Brasov durch. Hier erleben wir den totalen Wahnsinn aus Kreisverkehren. Ampeln scheinen nicht wirklich beliebt zu sein. Statt dem gibt es riesige Kreisverkehre , wo 3spurige Straßen aufeinander treffen. Einmal in diese chaotische Ordnung hineingeraten versuchen wir uns hinter Taxis und LKWs zu verstecken um nicht niedergewalzt zu werden.
Immer noch Kreisel und Verkehrschaos im Kopf checken wir etwas außerhalb in ein kleines nettes Hotel, mit Blick auf die Schneebedeckten Gipfel der Muntij Craliului ein.

Auch am 4ten Tag unserer Reise sitzt der Kulturschock tief, der von der braunen und ausgedörrten Land schafft verstärkt wird. Anscheinend hat es seit den heftigen Schneefällen im Winter noch keinerlei Niederschläge gegeben. Der Schnee ist größtenteils weggetaut der und der Boden von der intensiven Sonne ausgedörrt. Auf den Feldern wird fleißig Brandrohdung betrieben… Wenn das grün erst mal treibt schaut die Welt bestimmt anders aus! Außerdem sind wir vor einiger Zeit dazu übergegangen uns über alles kaputt zu lachen so ist die Stimmung im Auto sehr gut und die auftretenden Probleme schnell gelöst und nicht wirklich schlimm!

Endlich Fahren wir in die Berge. Hier soll Das 3.te Depot angelegt werden. Wir hatten uns erwartet, dass hier ein Hotel am anderen zu finden sein sollte doch sind wir über den Pass, der für unser Depot günstig wäre schon fast drüber, und haben noch kein einziges gesichtet. Gerade als wir anfangen uns zu Sorgen keinen geeigneten Platz zu finden, fahren wir an einen Gemeindehaus vorbei. Vollkommen unkompliziert ist hier, nach 15.min alles geregelt. Zufrieden machen wir uns auf den Weg nach Dobreta Turnu Severin an der Donau.

Wieder mal vollkommen übermüdet Kommen wir in der hässlichen, überteuerten Stadt an und müssen uns mit einem stinkenden „puffigen“ Hotel begnügen.

Unser letztes Depot in Rumänien können wir leider nicht so wie geplant anlegen. Trotz intensiver Bemühungen eines netten Polizisten scheint es in dem dafür vorgesehenem Dorf keine sichere Möglichkeit zu geben. So bleibt uns nichts anderes übrig als in die nächste Stadt zu fahren. Hier in Calafat wollen wir Fähre auf die andere Seite der ausladenden Donau übersetzen. Auch hier haben wir Glück schon beim ersten Anlauf und mit Lorands Hilfe (hier nochmal allerliebsten dank für deine Hilfe!) ist das Depot angelegt. Als kleines Dankeschön überreichen wir dem orthodoxen Priester eine Flasche Wein. Er verschwindet kurz und kommt mit einigen frisch gewaschenen Handtüchern wieder die er uns überreicht. Wir sind etwas verwirrt von dieser Geste. Uns ist nicht ganz klar was damit gemeint ist… Ist das ein Geschenk?….oder sollen wir uns waschen, riecht mann die mittlerweile 6 Tage im Auto? Etwas verwirrt können wir dann klären das das wohl ein Geschenk ist, wahrscheinlich im Gegenzug für den Wein…rührend!

Die Überfahrt mit der abenteuerlich mit Lkw und einigen PKW vollgestopften Fähre dauert alles insgesamt ca. 3 Stunden! Wieder ein Tag mit wenigen Kilometern… Aber wir sind in Bulgarien!! Juhhuu!
Als erstes fällt uns auf, das die Häuser hier hinter der Grenze größer und in deutlich schlechterem Zustand sind. Zu dem sind viele Menschen noch dunkelhäutiger, wie wir später erfahren sind das Zigeuner, und die Schriftzeichen sind jetzt Kyrillisch. Nach ca. 120km scheint es auch, das hier weniger Hotels zu finden sind! So sind wir erleichtert als wir bereits in der Dämmerung auf ein Überbleibsel des Kommunismus, einen grauen, 8-stöckigen Betonklotz mitten im Stadtzentrum von Botevgrad finden. Auch von Innen ist das Hotel, welches zu seiner Zeit bestimmt sehr luxuriös gewesen ist, noch fast im original zustand. Sogar die Bettwäsche ist, wie auch der Rest des Hotels zwar sauber aber aus Omas Zeiten!

Nach einer halbwegs geruhsamen Nacht brechen wir am 6ten Tag der Fahrt in Richtung Karlowo auf, welches wir für das letzte Depot ausgewählt haben. Wieder ist das Glück mit uns! Als wir ins Rathaus kommen und nach jemand fragen der Englisch spricht, wird ein älterer Herr herbei gerufen. Später stellt es sich heraus , das er der Bürgermeister ist und bereit unsere Sachen bei sich zu Hause zu lagern. Wir bedanken uns bei diesem herzlichen Mann und treten die letzten knapp 300km der Fahrt an. Am Ortseingang zu Aytos soll uns dann Aykut, unser Kontaktmann samt unserem Dolmetscher Bechchet in Empfang nehmen.