25.07-16.08 Don´t make Business in Bulgaria ( Don)

Wir haben es also geschafft der erste und auch einer der schwierigsten Abschnitte liegt hinter uns! Bulgarien hat uns sehr gefordert . Ja uns sogar des öfteren an unsere Grenzen gebracht und uns geholfen sie zu überschreiten, hat uns mit unvergesslichen Momenten an wildromantischen Plätzen und einzigartigen Einblicken in das wirken und Leben der unzähmbaren Natur belohnt. Wir genossen viele schöne Abende während wir am Feuer unser Essen zubereiteten und. Nun sitzen wir etwas erschrocken am kleinen Feuer unseres Hoboofens in der Nähe der von „ möchtegern Bergtouristen“ stark frequentierten Hija Kom (Berghütte Kom) und warten ungeduldig auf den Abtransport. Soviel „zivilisierte“ Menschen sind wir einfach nicht mehr gewohnt. Na ja ist ja alles halb so schlimm, Julian hat ja bereits frühzeitig alles geklärt und in den nächsten 1-2 Tagen kann es dann, etwas später als ursprünglich vereinbart, endlich wieder weitergehen. Obwohl immer noch kein genauer Termin feststeht sind wir nach einer Woche des Wartens immer noch zuversichtlich das das wir spätestens übermorgen fahren können. Morgen wollen nun endgültig absteigen um unsere Vorräte für die nächste Etappe aufzufrischen. Zudem findet an der Hütte am Wochenende ein großes Festival zu ehren der balkanischen Natur und der Berge statt. Unser Zelt steht im Backstagebereich, und die Tiere Weiden auf der Partywiese, auf der ein riesiges Feuer brennen wird. Alles in allem kein guter Platz für uns. So werden wir uns ein paar Kilometer vor Berkovitsa am Fuß des Kom ein ruhiges Fleckchen suchen und dort auf den Transport warten. Nach Studien der Karte und Google müsste sich in dem von Bächen durchzogenem Tal eine schöne saftige Weide finden lassen.
Im Tal angekommen finden wir eine ausgedörrte Kleingartensiedlung vor: Schluck: „Nein das geht nicht, das ist ganz und gar nicht der Ort den ich mir vorgestellt habe. Warte, ich geh ihn kurz suchen!“ Mit diesen Worten verschwinde ich auf einem kleinem Trampelpfad ins Gebüsch.. 20 Minuten später komme ich erleichtert zurück. Etwas abseits habe ich einen Platz direkt an einem kleinen Bach gefunden. Die weide ist zwar etwas abgefressen, reicht aber. Um das ganze perfekt zu machen fehlt nur noch Trinkwasser. Kurz bevor ich zum Einkaufen ins Dorf gehen will kommt ein netter junger Mann vorbei, wir fragen ihn nach dem nächsten Brunnen, und der bringt Julian zu einem Bach der angeblich trinkbar sein soll.
Wieder zurück fragt Mario ob er sich kurz zu uns setzen darf. 3 Stunden später komme ich schwer beladen vom Einkaufen zurück und finde Julian in Gesellschaft des mittlerweile etwas alkoholisierten Mario und seines Kumpels vor. Er freut sich sichtlich über meine Ankunft, und meint er hätte sich sorgen gemacht da ich solange weg gewesen bin. Höflich fragt er ob wir vielleicht jetzt unsere ruhe haben wollen und bald schlafen gehen möchten.Obwohl das eigentlich der Fall ist und wir uns nach der Woche bei der überlaufenen Hütte auf einen romantischen Abend zu zweit gefreut hatten bringen wir es nicht fertig diesen emotionalen und herzlichen Menschen einfach wegzuschicken. Vor allem da er immer wieder betont dies sei für ihn der schönste Abend dieses Sommers. Wir werden also einfach zeitig ins Bett gehen und dann hat sich das Problem erledigt. Während ich koche und Marios Alkoholpegel unaufhaltsam steigt, beginnt er mit einem Schlafplatz direkt neben unserem Zelt zu liebäugeln. In der Hoffnung er wäre betrunken genug diese Idee wieder zu vergessen übergehen wir seine Kommentare diesbezüglich. Als dann das Essen fast fertig ist taucht ein ca. 50 Jahre alter Mann wie aus dem Nichts neben dem Zelt auf. „Oh, this is my friend, a very strong alcoholic person“ stellt Mario uns seinen Freund vor. Der offensichtliche Alkoholiker trägt Tarnfleckkeidung und das tief ins Gesicht gezogene Cappy schafft es trotz aller Bemühungen nicht das prächtige, dunkle Veilchen zu verbergen. “ Oh im very sorry, this is a very strong alcoholic person and he can´t behave, im very sorry for all the things he will do.“(Oh es tut mir sehr leid, das ist ein starker Alkoholiker, er weiß nicht wie man sich benimmt! Ich entschuldige mich für alles was er tun wird!) entschuldigt sich Mario für seinen Freund, der ruhig und zurückhaltend an unserem Feuer sitzt und darauf besteht dass wir von seinen selbst gezogenen Tomaten probieren.
Ausgelassen grölt Mario und freut sich. „ Ich werde direkt neben eurem Zelt schlafen!“ Und noch ein Schnapps für alle. Auf unsere Einladung hin mit uns zu Essen antworten die beiden: “ Oh nein, nein! Wir sind sehr arme Leute, wir essen nicht! Wir trinken nur Rakir. Übrigens in dieser Gegend sind die Leute sehr sehr arm und gefährlich. Wegen des Festes werden hier viele Betrunkene unterwegs sein! Es ist gefährlich für euch! Wir werden hier bleiben und euch beschützen!“ All unsere Versuche die beiden davon abzubringen scheitern. Mario grölt wieder, erst Glücklich, dann etwas weniger glücklich, dann scheint er wieder zufrieden. Währenddessen versucht sein Freund mir, mit starkem Dialekt und einem herRRrlich gerRRolltem RRRR, zu erklären wir uns heute heute Nacht keine sorgen machen müssen da die zwei unsere Security sein werden und zeigt dabei immer wieder auf seinen Rücken. „ Was hat er denn nur?“ frage ich mich. Endlich begreife ich das ich hin fassen soll. Ich retaste eine Waffe! Na Toll! Ein wildfremder und stockbesoffener Alkoholiker mit einer Automatik und einem prächtigen Veilchen wird also mit seinem impulsiven und fast noch pubertierendem Freund vor unserem Zelt schlafen um uns vor bösen Leuten zu beschützen. Da werden wir bestimmt ruhig schlafen können! Wir legen uns also ins Zelt, sind aber erstaunlicher weise doch etwas nervös und können nicht schlafen. Merkwürdig nachdem wir ja 2 securitys vor unserem Zelt haben. Als Mario wieder einmal hingebungsvoll grölt schreiben wir eine verzweifelte SMS an Aykut der sich um den Transport kümmert: „ Vor unserem Zelt schläft ein Alkoholiker mit einer Waffe! Diese Gegend ist nicht sicher für uns! Wo bleibt der Transport!?!“ Wenig später klingelt das Telefon. Aykut ist dran: „Oh Julian, me very sorry! Tomorrow me yes very serious telefonieren Mr.Basotev for date transport! Me you telefonieren tomorrow 12 time!“ (was bedeuten soll :“Oh Julian es tut mir sehr leid! Ich werde morgen wirklich Basotev anrufen und einen Termin für den Transport ausmachen! Ich rufe dich morgen um 12.00Uhr an!) So verbleiben wir. Es ist inzwischen nach Mitternacht und draußen vor dem Zelt ist Ruhe eingekehrt. Mario hat schon länger nicht mehr gegrölt, und aus Richtung der „very strong alcoholic person“ ertönt ein zufriedenes Schnarchen. Endlich kann ich mich ein wenig entspannen und schlafe ein. Der Durchgangsverkehr betrunkener Partygänger hält den armen Julian noch 2 weitere Stunden wach. Auch danach ist uns kein ruhiger Schlaf gegönnt. Wir werden von Mario geweckt: „ Julian, Julian, sorry….mir ist kalt! Kann ich bei euch im Zelt schlafen?“ „Ähm, das wird recht eng Mario, das ist vielleicht nicht so gut!“ antwortet Julian während wir ratlose Blicke austauschen. Bis wir beratschlagt haben was zu tun ist und einen Sommerschlafsack ausgepackt haben, hat es sich Mario, inzwischen mit nacktem Oberkörper, direkt vor dem Zelteingang gemütlich gemacht und schläft. Da er sich mehr oder weniger geschickt zwischen den Abspannleinen eingefädelt und wir befürchten er könnte im Schlaf das Zelt niederreißen, weckt ihn Julian auf, gibt ihm seinen Pulli und unseren Schlafsack und bringt ihn im sicherem Abstand zum Zelt ins Bett.
Gegen 4 Uhr morgens werden wir wieder geweckt. Diesmal friert Marios Freund und beschließt kurzerhand direkt neben unserem Zelt ein Feuer zu machen. Wir sind wach! Unser zuhause ist in Gefahr! Jeder Funke, den das nasse Holz so reichlich produziert, kann ein Loch in unserem Zelt bedeuten. Julian versucht ihm den Ernst der Lage zu erklären, aber er meint nur wir sollen uns keine Sorgen machen, er habe alles unter Kontrolle….und schürt weiter fleißig ein.
Große Ratlosigkeit im Zelt. Was sollen wir jetzt machen? Wir können diesem immer noch und auch schon wieder betrunken Mann mit der Automatik im Gürtel nicht verbieten ein Feuer zu machen um sich aufzuwärmen. Das auch noch nach dem er uns die ganze Nacht „beschützt“ hat. Vollkommen Übermüdet beschließen wir zu Packen und uns einen anderen Platz für die nächste Zeit zu suchen. Beim Kaffee den wir mit unseren 2 Securitys zum abschied trinken, singt uns Marios Freund noch ein paar Lieder und wir plaudern noch ein wenig. Scherzhaft meint Mario: „Wir haben also eine Nacht miteinander verbracht und ihr habt uns nicht getötet! Ihr mögt uns also doch!“ Ich schlucke und lächle während ich mir denke dass es hier in bestimmten kreisen wahrscheinlich wirklich so ist. Die beiden scheinen uns also auch zu mögen nach dem wir noch am Leben sind!
Gegen Mittag liegen wir ein paar Kilometer weiter im Schatten rauschender Buchen und warten auf Aykuts Anruf. Die Zeit verstreicht, es ist inzwischen Nachmittag und ich halte die Warterei nicht mehr aus und rufe Aykut an. Wir müssen endlich hier weg! „Oh, hallo Don! Ich konnte Mr. Basotev nicht erreichen. Ich weiß noch nichts neues“. Spontan ist mein bis dahin so müder Kreislauf auf Hochtouren. „Aykut was ist denn los?! Wir sind schon 10 tage über dem ausgemachten Termin! Immer wieder heißt es das wir in 2 bis 3 Tagen Fahren können. Wo liegt denn das Problem?“
Aykut: „Ja es gibt da vielleicht wirklich ein Problem! Der Mann der euch fahren sollte sagt dass er demnächst noch einen Transport von Slowenien nach Bulgarien hat. Ihr müsst warten weil sich für ihn die Fahrt sonst nicht rentiert. Er sagt er könnte euch sofort fahren, möchte dann aber das doppelte haben. Ich würde euch empfehlen zu warten.“ Ich bin fassungslos. Bei dem vereinbarten Preis war Benzin, Arbeitszeit, Maut, Fähre, etc. für Hin- und Rückfahrt kalkuliert worden und jetzt nachdem wir schon so lange warten will der Gauner auf einmal das Doppelte! Mal wieder, wie schon bei anderen Geschäften können wir uns nur schwer dem Gefühl erwehren das man versucht uns übers Ohr zu hauen. Wir befürchten das dieser Gauner denkt er sei unsere einzige Option und er die Geschichte solange hinauszögern wird bis wir zahlen. So nicht! Nicht mit uns! Eine andere Lösung muss her. In der bulgarischen Sommerhitze bemühen wir unsere armen übermüdeten Gehirne bis Rauchwolken aufsteigen und die Akkus der Handys leer telefoniert sind. Bis zum Abend haben wir dann folgendes angeleiert:
-Aykut wird sich weiterhin um einen Transporter bemühen, um diesen dann selber zu fahren oder einen anderen Fahrer zu organisieren
-Peter, unser bulgarischer Bekannter aus München, wird sich bei seinen Kontakten umhören
-Meine Eltern erkundigen sich in Polen und der Slovakei nach einem Transport
-Dido und Marina, die wir hier in den Bergen kennengelernt haben, kennen evtl. Jemand der einen Pferdetransporter hat und werden ihn kontaktieren.

Sprüche aus dem Alltag:
“Morgen fahren wir ja!…oder bekommen die Ehrenstaatsbürgerschaft”

Na ja das sind schon mal einige konkrete Ideen. Vielleicht klappt ja etwas davon und wir können endlich weiter!
In den folgenden 2 Tagen ergibt sich leider nicht viel neues. Immer wieder setzen wir unser Vertrauen in Aykut der uns bis jetzt so viel geholfen hat, sind aber langsam ziemlich entnervt. Auf abgemachte Telefonate warten wir vergeblich, zudem gibt es große Ungereimtheiten die wir nicht verstehen. Zum Beispiel benötigen wir für den Transport über die grenze ein Zertifikat von einem Amtstierarzt. Immer wieder heißt es :“ Ja es ist fertig, der Fahrer hat es bereits. Übermorgen könnt ihr fahren!“ Beim nächsten Gespräch können wir wieder nicht fahren weil die verdammten Papiere noch nicht fertig sind. Angeblich weil noch Daten fehlen die wir nicht im geringsten nachvollziehen können. Wir würden uns nicht wundern wenn man auch noch unsere Bankverbindung samt Blanko Einzugsermächtigung braucht. Am Mittwoch den 08.08.2012 beschließen wir wieder in die Berge zu gehen.Dort haben wir größere Weiden in einer wunderschönen und wohltemperierten Landschaft und frisches Quellwasser alle 100 Meter. Das warten wird uns dort sicher leichter fallen als hier ca. 100 Meter neben der Straße im abgeweideten Backofen. Auf dem Weg nach oben kommen wir noch einmal an der Hija Kom vorbei und kehren dort auf einen Kaffee ein. Die liebenswerte Hüttenwirtin von der wir uns vor knapp zwei Wochen verabschiedet hatten, ist sehr erstaunt und erfreut uns zu sehen: „Ihr seid noch nicht gefahren?!“ Während wir ihr unser Leid klagen verschwindet Ihr Lächeln „ Das tut mir Sehr leid! Das ist Bulgarien! Wartet kurz ich habe da vielleicht eine Idee!“ Kurz darauf kommt sie mit dem Mann einer Mitarbeiterin wieder. Er Spricht ein wenig Deutsch und erklärt uns das einer seiner Freunde einen Hänger Besitzt und oft in ganz Europa auf Turnieren unterwegs ist. Anscheinend findet aber grade ein Turnier statt, und es ist nicht klar wann der Hänger frei und ob ein Transport überhaupt möglich wäre. Wenn wir 2 Stunden warten, kann er uns sagen ob und wann uns sein Bekannter fahren könnte. Was für ein unerwarteter Hoffnungsschimmer! Nachdem wir 2 Stunden gewartet haben passiert etwas unglaubliches!! Wir werden zur abgemachten Zeit zurückgerufen! Und wie wenn das noch nicht genug wäre erfahren wir das wir in einer Knappen Woche fahren könnten. Wir müssen nur noch Start und Zielpunkt angeben damit der genaue Preis kalkuliert werden kann. Auch meine beiden lieben Eltern haben sich in der Zwischenzeit nach Transportmöglichkeiten erkundigt. Beide haben diverse Möglichkeiten gefunden, die aber alle zu teuer sind und auch den ganzen nötigen Papierkram für die Grenzübergänge nicht beinhalten. Auch die Deutschen und Österreichischen Transportunternehmen die wir inzwischen kontaktiert haben kommen aus verschiedenen Gründen nicht in Frage. Langsam aber sicher fangen wir verzweifelt an über ein vorzeitiges ende unserer Tour nachzudenken, denn Bulgarien hat uns soviel ungeplante Zeit und Geld gekostet das die Fortsetzung der Tour wie geplant unmöglich scheint. Wir denken darüber nach ob wir nicht wenigstens an die Alpen fahren können um von dort aus weiterzulaufen. Auch wenn sich ein bezahlbarer Transport in die Slowakei organisieren lassen würde, haben wir die Befürchtung das wir dann so spät dran sind das wir die Alpen erst im Winter erreichen und dann im Schnee stecken bleiben. Ein großer Teil der Strecke die wir von der Slowakei bis zu den Alpen zurücklegen müssten führt zudem durch ein für uns Landschaftlich uninteressantes Gebiet. Nachdem wir schon auf Rumänien verzichten müssen, wollen wir das Risiko nicht eingehen unsere geliebten Alpen für 500km zersiedeltes Gebiet zu opfern. Wir legen eine Krisensitzung ein um unseren Zielpunkt zu bestimmen. Schweren Herzens entscheiden wir uns auf die Beskiden zu verzichten. Als Zielpunkt nennen wir unserem unbekannten Fahrer einen Stall ca. 30km Südöstlich von Wiener Neustadt. Am nächsten Morgen werden wir wie vereinbart zurückgerufen und wir erhalten ein durchaus akzeptables Komplettangebot das den ganzen Papierkram, die Fähre, Vignetten, Sprit, Übernachtung in Ungarn, etc. enthält.
Da wir nicht noch einmal am Ortsrand von Berkovitsa übernachten wollen und wir auch Ruhe brauchen um die Tiere zu verladen, verabreden wir uns mit dem Fahrer an einer Passtrasse östlich des Kom. Das bietet uns zudem die Möglichkeit noch einmal die schöne Landschaft rund um den Berg ein letztes mal zu genießen.
Wie verabredet sind alle in der Morgendämmerung an dem vereinbarten Punkt. Nach einer kurzen Begrüßung machen wir uns um keine Zeit zu verlieren sofort ans Be- und Verladen. Nachdem die ca. 160kg Ausrüstung verstaut sind macht sich Julian daran Kamchi zu verladen. Mit einer Decke über den Kopf ist das Maultier schnell und unkompliziert in den Hänger gebracht. Ich erkläre den wartenden Herren das der Esel unter Umständen etwas Zeit braucht, und auf keinen Fall unter Druck gesetzt werden darf da er sonst mit Sicherheit nicht in den Hänger zu kriegen ist. Lässig beruhigt mich Miro, unser Fahrer: “Nimm dir die Zeit die es braucht! Es sind ja eure Tiere und eure Zeit.“ Und allein bei den Worten bleibt es. Die Taten die folgen sind andere. Wie üblich bleibt Aische am Anfang der Rampe stehen und versucht die Lage einzuschätzen während Mrio und seine Kollegen angeregte Diskussionen führen was ich da treibe. Aische ist von der ganzen Aufmerksamkeit verunsichert und geht einige Schritte zurück. „ Komm Aische Esel“ bitte ich sie, aber Aische stemmt sich breitbeinig in den Boden. „So wird das nichts! Wir helfen Dir!“ meint der inzwischen sichtlich nervöse Miro und beginnt mit einem Stock hinter Aische herumzufuchteln. Sie Fühlt sich natürlich sofort darin bestätigt dass der Hänger Stress bedeutet und man ( bzw. Eselfrau) da auf keinen Fall reingehen sollte. Ich versuche noch ein paar mal erfolglos Aische zu motivieren freiwillig mitzukommen aber inzwischen möchte sie nach dem ganzen Stress nicht mal mehr in die Nähe des Hängers. Im Endeffekt bleibt uns nichts anderes übrig als das arme Tier mit 2 gekreuzten Seilen über dem Hintern in den Hänger zu zerren. Nach 1,5 Stunden, einem zerrissenen Frühstrick und einem gesprengtem Karabiner ist die arme Maus dann schließlich verladen und die Fahrt kann losgehen.

Sprüche aus dem Alltag:

“Koooom Aische!…Aische komm, biiiittee!!!!”

Schnell herrscht eine lockere und entspannte Stimmung im Auto. Miro ist Zweifacher bulgarischer Boxchampion, ein Bär von einem Mann und macht einen sehr Sympathischen Eindruck.. Er ist einer der größten Pferdezüchter Bulgariens und Mitglied des deutschen Trackener Zuchtverbandes. So kennt er natürlich alle Formalitäten die bei der Aus- und Einreise anfallen. Da sein Sohn gerade an der Jugend EM in Wien teilnimmt und er sowieso nach Österreich muss konnte er uns überhaupt erst den Transport anbieten.
Gegen Mittag haben wir die Donau reibungslos überquert und sind wir mitten in Rumänien als der erst 4 Jahre alte Kleinbus anfängt zu stottern. In Intervallen scheint er keinen Antrieb zu haben. Er ruckelt und zuckelt noch ein paar Kilometer bis schließlich der mittlerweile sehr ernst gewordene Miro an den Straßenrand fährt um unter die Motorhaube zu schauen. Da Julian und ich keine Ahnung von Autos haben sitzen vor fassungslosem Entsetzen erstarrt im Auto und warten ab.
Nach einigen Minuten kommt ein Ratloser Miro wieder. „ Keine Ahnung was das ist. Ich verstehe nicht viel von Autos, aber es kann eigentlich nichts sein. Das Auto war Gestern in der Inspektion!“ Er startet den Bus wieder und tritt ein paarmal das Gaspedal durch. „Alles wieder normal, lasst uns weiterfahren“ Gott sei Dank, das Auto läuft wieder einwandfrei, hatte wohl eine Art „Verstopfung“. Ca. 20km weiter sind wir wieder entspannt ins Gespräch vertieft als es schon wieder los geht. Das stottern wird so schlimm das wir fasst nicht mehr von der Stelle kommen. Wir bleiben wieder stehen, nochmal den Motor inspiziert, wieder Ratlose Blicke, Zündschlüssel, Gas…wieder alles in Ordnung…Ok, weiter geht’s. So geht es noch einige Male. Die Stimmung wird immer ernster und die Krankheit unseres Autos auch….bis wir schließlich mitten in den tiefsten Karpaten auf einen Parkplatz fahren wo der arme Bus endgültig in Ohnmacht fällt.

Der Supergau! Wir stecken fest, mitten im gefürchteten Rumänien!

Wir stehen in der prallen Mittagssonne auf einer Müllhalde / Parkplatz zwischen zwei uns unbekannten Dörfern, wissen also nicht genau wo wir eigentlich sind. Keiner von uns spricht die Landessprache und es ist auch nicht zu erwarten das in dieser ländlichen Gegend all zu viele Menschen englisch sprechen. Ganz abgesehen davon, das hier so wie so weit und breit keiner ist! Wir sind allesamt etwas ratlos. Was sollen wir nun tun? Wo und wie sollen wir Hilfe holen? Verzweifelt versucht Miro immer wieder den Ford zu starten, und nochmal und nochmal, bis die Batterie endgültig leer ist. Super! Wir beschließen eines der vorbeifahrenden Autos anzuhalten, und hoffen das uns jemand zum nächsten Mechaniker mitnehmen oder uns wenigstens Starthilfe geben kann. Ein schwieriges unterfangen! Da diese Gegend sehr arm und die Kriminalitätsrate sehr hoch ist, haben die meisten Leute wohl Angst mitten in der Pampas bei einer Gruppe von Fremden anzuhalten. Um unsere Chancen zu erhöhen löse ich den Bär von einem Mann, Miro ab.
Und tatsächlich, habe ich Glück. Nach einigen Fehlversuchen stoppt ein junger und hilfsbereiter, noch dazu englisch sprechender Mann. Er bietet an einen von uns mit in das nächste Dorf zu nehmen. Da Miro kein Englisch spricht und es mir als ausländische Frau etwas unheimlich ist allein loszuziehen, packt Julian sein fast leeres Handy ein und fährt los. Als wir nach einer Stunde immer noch nichts von ihm gehört haben beginnen wir uns Sorgen zu machen und rufen ihn an. Julian berichtet das er inzwischen in mehreren „Werkstätten“ war, welche sich in dunklen Hinterhöfen verstecken und eher an einen grattligen Schrottplatz als an eine Werkstatt erinnerten. Leider hat er auch erfahren, dass Heute in Rumänien ein Nationalfeiertag ist, und keiner der unheimlichen Werkstattbesitzer bereit ist uns zu helfen. So sucht Julian noch eine geraume Weile weiter und ruft uns schließlich mit einer guten Nachricht an. Er hat tatsächlich jemanden gefunden der bereit ist den ausländischen Geldbeuteln anzunehmen. Er ist sogar schon auf dem Weg zu uns! Außerdem konnte er jemanden aus einer seriösen Renault Werkstatt in der nächsten größeren Stadt kontaktieren der gegen 19.00 bei uns eintreffen sollt. Gott sei dank, ein Hoffnungsschimmer! Nun heißt es warten…Während wir das tun beobachte ich einen Mann der am Straßenrand in unsere Richtung geht. Kurze Zeit später fährt ein alter und recht klappriger Kombi auf den Parkplatz. Es steigen zwei wenig sympathische Männer aus die sich als Mechaniker zu erkennen geben. Interessant, Mechaniker mit einem Auto in diesem Zustand!?! Da sie nicht wirklich Englisch sprechen ist es etwas schwierig ihnen klarzumachen das wir Starthilfe brauchen. Als wir uns endlich verständlich gemacht haben und die beiden zu Werke gehen, steigt sofort eine dicke schwarze Rauchwolke aus dem Motorraum des alten Kombi auf. Die beiden schauen mich mit einem breiten, verschämten Grinsen an…also doch keine Starthilfe…Mittlerweile ist der einsame Fremde auch bei uns angekommen und beobachtet das treiben Interessiert. Auch Julian ist wieder da , er wurde von einem hilfsbereiten Taxifahrer gefahren, der an diesem Nachmittag wohl seinen Umsatz für die ganze nächste Woche machen wird. Nun stehen alle versammelt um das Auto und versuchen es ziemlich chaotisch erneut mit der Starthilfe. Ich behalte unterdessen die ganze Meute im Auge, da wir ungeplanten Besitztum Wechsel vermeiden wollen.Vor allem den merkwürdigen Fremden der sich unauffällig unter die Gruppe gemischt hat, kein Wort spricht und die weggeworfenen Kippenstummel einsammelt.
Nach einer Weile ist klar das wir den Transporter nicht zum laufen kriegen. Die zwei „Mechaniker“ bieten an uns für satte 250€ abzuschleppen. Als wir dankend Ablehnen steigen die beiden beleidigt murrend in ihre Klapperkiste und rattern davon. Auch der Fremde ist inzwischen verschwunden. Miro ist mittlerweile davon überzeugt das das Problem die Batterie ist, und es am besten wäre eine neue zu organisieren oder wenigstens ein Auto mit einem Motor der stark genug ist und nicht sofort in Rauch aufgeht. Da weder Julian noch ich über Miros Geld entscheiden wollen mache ich mich mit ihm und dem Taxifahrer wieder auf den Weg. Als wir Julian verlassen sagt ihm, der Rumänien gegenüber sehr misstrauisch eingestellte, Miro wo sein Jagdmesser zu finden ist mit dem er sich im Notfall verteidigen kann. So hält Julian bis an die Zähne bewaffnet mit 2 Jagdmessern und 2 Feuerlöschern mit Bärenspray die Stellung. 2 Stunden später kommen wir zwar ohne neue Batterie, aber dafür mit zwei lustigen Freunden des Taxifahrers wieder zurück. Kurze Zeit später trifft auch der Mann aus der Renault Werkstatt ein. Leider stellt sich heraus das er nicht wie bestellt ein Mechaniker ist, sondern lediglich der Fahrer des Abschleppwagens. Das abschleppen in die nächste Stadt kommt für uns jedoch immer noch nicht in Frage, alleine schon wegen der Tiere. Wir müssten den Hänger mit unseren Süßen hier stehen lassen, was unter Umständen bedeuten würde, dass morgen früh sowohl die Tiere als auch der Hänger einen neuen Besitzer hätten! Hier unter freiem Himmel ohne Miro, unserem heiligen Transport ins gelobte Land alleine zu Übernachten steht auch nicht zur Debatte. Sollten wir hier im kaputten Auto übernachten müssen würde Miro auf jeden Fall die Polizei bitten alle paar Stunden nach uns zu sehen. Also auf keinen Fall abschleppen und auch nicht hier übernachten!! Miros Notlösung, uns von einem seiner Angestellten mit einem anderen Transporter abholen zu lassen, zurück nach Bulgarien zu fahren und in ein paar Tagen den nächsten Versuch zu starten stößt bei uns ebenfalls auf wenig Begeisterung! Wir müssen das Auto wieder fit kriegen! Nun stehen alle 6 Männer dicht gedrängt über dem Motorraum und grübeln, nackeln an Schläuchen, holen Teile raus und bauen sie wieder ein…..und dann geschieht ein Wunder! Sie finden tatsächlich den Übeltäter. Bei der Inspektion in Bulgarien hat der Mechaniker den Benzinfilter nicht richtig eingebaut, so das dieser Luft zieht. Mit ein paar Handgriffen und literweise verschüttetem Benzin lässt sich das Problem beheben! Nach 6 Stunden Zwangspause kann unsere Fahrt endlich weitergehen.

Gegen 2 Uhr nachts kommen wir endlich in Ungarn an. In einem kleinen, gepflegten Stall, der einem Bekannten von Miro gehört, bringen wir die erschöpfte Kamchi und Aische ins Bett. In einer Ferienwohnung streifen wir selber mit unseren müden Köpfen kurz die Kissen, bevor es noch vor Sonnenaufgang wieder weiter geht….zumindest in den Stall um die Tiere wieder einzuladen.
Nach dem Fiasko beim letzten mal sind wir alle 3 auf eine lange Prozedur eingestellt. Um Aische so wenig Stress wie möglich zuzumuten haben Julian und ich einen Plan geschmiedet um Miro am „helfen“ zu hindern. Im Stall angekommen setzten wir Ihn davon in Kenntnis, dass ich es diesmal alleine und vor allem in Ruhe versuchen möchte unseren störrischen Esel zu verladen. „Das wirst du niemals schaffen!“ sagt Miro, der Pferdefachmann zu mir, dem Esellaihen.“ Du wirst sehen, wir sind Morgen immer noch hier.“ Nachdem ich es aber auf jeden Fall versuchen möchte, kommt nun Julian ins Spiel und lockt Miro weg vom Hänger: „ Sag mal, kannst du mir am Maultier zeigen wie ich an den Zähnen das Alter ablesen kann?“ „Aber klar…..“ So habe ich meine Ruhe und kann mich Aische zuwenden. Ich suche aus dem Studentenfutter die Bananenchips, locke damit den verfressenen Esel auf die Rampe und erzähle ihr dabei folgendes: „Schau mal Aische, ich habe Bananenchips für dich! Wow sind die aber lecker!“ Und Aische folgt gierig den Bananen….Bevor sie anfängt darüber nachzudenken ob das ganze nicht doch gefährlich sein könnte gehe ich mit ihr wieder kurz auf die Wiese. Aische:“ GIB! GIB! GIB mir BANANEN!“ „Nein Aische, Bananen gibt’s nur im Hänger“ Ein paar Minuten später ein neuer Versuch. Anstandslos geht Aische den Bananen hinterher in den Hänger bis sie zur hälfe drin ist. Sie zögert: „ Vielleicht ist mir der Hänger doch unheimlich!“ Darauf ich:“Welcher Hänger?! Schau mal Bananen! Denk an die leckeren Bananen , nichts als Bananen Aische! Wir essen hier nur Bananen…Braver Esel! Julian komm und mach zu. Bananen Aische, Bananen!“ Der Esel ist drin und Miro begeistert: „ Das hätte ich nicht für möglich gehalten. 15 Minuten, Respekt!“
Auf einer ungewohnt guten und breiten Straße, die man hierzulande Autobahn nennt, kommen wir gut voran und erreichen gegen Mittag die österreichische Grenze. Kurz vor unserem Ziel, ca. 60km südöstlich von Wiener-Neustadt streikt das Auto erneut. Wieder in der „Zivilisierten“ Welt angekommen, wo an jeder Ecke eine Werkstatt und mindestens 3 Läden mit Bunten Werbeschildern und die gut betuchten Kunden locken, besorgen wir kurzerhand einen neuen Benzinfilter. Endlich wieder vollständig genesen bringt uns der tapfere Ford gefahren vom heldenhaften Miro gegen 15.00 an unser Ziel wo wir von der Fam. Coloselli herzlich empfangen werden. Hier werden wir uns 1-2 Tage von der anstrengenden Fahrt erholen, uns säubern und neu sortieren bevor es endlich in die Alpen geht!