Kotztour

30.07 – 02.08.2009

Tag 1: 12 km unterwegs mit Daniel, Don, Julian

Tag 2: 9,6 km unterwegs mit Lolo, Don, Julian

Autor: Julian

Tag 1

Mit Daniel fahren wir ins Rißtal um von dort eine Drei- Tagestour durchs Karwendel zu starten. Vom P2 machen wir uns entlang des Torbaches in Richtung Torscharte auf den Weg. Es ist ziemlich bewölkt und schwül, das perfekte Wetter für Bremsen. Die Wolkendecke schneidet die um uns aufragenden Felswände und legt einen bleigrauen Deckel auf das Tal. Wir folgen Daniel in die Wolkendecke, und wie das Wolken so an sich haben, ist es drinnen meist recht nass….Gemeinsam überqueren wir die Torscharte, vorbei an Kuhherden, die verborgen im Nebel vor sich hin läuten und ab und an mal den Kopf aus der Suppe strecken. Auf der anderen Seite beginnt es wieder aufzureißen, und wir machen bei einem hausgroßen Findling Rast und Brotzeit mit Speck. Kurz nach der Pause kämpfen wir uns durch ein Latschendickicht, das unseren Weg aufgegessen hat. Daniel ist schwer am kämpfen und klagt über Kreislaufprobleme. Er schnauft und ist grün um die Nase. Zum Glück haben wir noch ein Stamperl polnischen Kräuterwodka…das hilft bestimmt…..Geholfen hat’s dann doch nur, den Speck wieder ans Tageslicht zu befördern.. In Anbetracht von Daniels jämmerlichem Zustand beschließen wir, uns den nächstmöglichen Biwakplatz zu suchen und jegliche Höhenmeter auf Morgen zu verlegen. Daniels Zustand verschlechtert sich zusehends, und nach einer kurzen Pause am vermeintlichen Schlafplatz steht fest, dass er sofort nach Hause oder ins Krankenhaus muss. Don geht vor zur Rhontalalm um dort Hilfe zu organisieren und sich ins Tal fahren zu lassen, um unser Auto zu holen. In der Zwischenzeit versuche ich Daniel irgendwie bis zur Alm zu bringen. Mittlerweile ist es dunkel geworden, als Don endlich mit unserem Auto ankommt und wir uns in Richtung München aufmachen. Zum Glück wird der mitgenommene Eimer nicht mehr benötigt, da Daniel inzwischen komplett leer ist.

Tag 2

Daniel war in der früh gleich beim Arzt, der aber auch nichts genaueres sagen kann bis die Proben im Labor waren. So durfte der arme Daniel den Rest der Woche im Bett verbringen, statt mit uns durch die Berge zu ziehen. Eigentlich wollten wir uns unterwegs mit Lolo treffen. So aber planen Don und ich hektisch um, sammeln Lolo mittags in München auf und fahren ins Vomper Loch, um dort die Tour fortzusetzen. Am frühen Nachmittag sind wir endlich in Vomp und wollen schauen, wie weit wir noch kommen. Nach einem kurzen Stück Forststraße biegt der Weg ins Vomper Loch ab und führt ohne viele Höhenmeter in das steil eingeschnittene Tal. Malerisch geht es durch den Wald und über einige etwas unangenehme und steile Schuttrinnen. Plätze wie das Nassloch machen ihrem Namen alle Ehre. Gegen frühen Abend kommen wir an der Jagdhütte im Zwerchloch an und beschließen, dort auf der Terrasse zu biwakieren und uns morgen früh zu entscheiden wohin es weitergeht – entweder über die Katzenleiter in Richtung Überschalljoch oder über die Lamsenscharte weiter. Das Nachtlager ist eigentlich perfekt, aber trotzdem verbringe ich eine lausige Nacht mit Schweißausbrüchen und Schüttelfrost. In der Morgendämmerung ist es dann soweit, ein lautes grummeln aus meiner Magengegend und ein unwiderstehlicher Drang katapultieren mich aus dem Schlafsack. Barfuß und nur in Unterhosen sprinte ich durch kniehohe Brombeeren in Richtung des ( zum Glück nagelneuen ) Plumpsklos. Schnell ist klar, dass es für mich kein Stück mehr weitergeht, und dass Daniel wohl irgend etwas Ansteckendes hatte. Don und Lolo sind so heldenhaft sich meinen Rucksackinhalt zu teilen, da ich mich kaum selber schleppen kann. Also wieder zurück zum Auto. Der eigentlich recht kurze Weg, den wir gestern ganz gemütlich in 2 Stunden gelaufen sind, wird für mich zum nicht enden wollenden Martyrium. Nach endlos scheinenden 5 Stunden sind wir endlich wieder am Auto und es geht in Richtung des eigenen Bettes und der eigenen Toilette. Im Lauf der folgenden Woche macht in den Nachrichten die Meldung die Runde, dass auf der Plumsjochhütte, auf der Daniel ein Paar Tage vorher war, der Wasserentkeimer defekt war und wir nicht die einzigen waren, die es erwischt hat.