Bad -Tölz bis Wolfratshausen

33 km; 06. -07.05.2011
Tag 1

Wir treffen uns um 14.00 Uhr am Münchener Hauptbahnhof und fahren mit der Bahn nach Bad-Tölz, von wo aus wir entlang der Isar nach Wolfratshausen laufen wollen. Der Weg ist nach einem Stück durch Bad-Tölz von Anfang an sehr wenig benutzt und malerisch. Er führt entlang der Isar durch einem Tunnel im dichten Gestrüpp.

Wir nutzen die Gelegenheit, um mit den Hunden das Laufen ohne Leine zu üben. Für die große Tour wäre das sehr von Vorteil. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rabauken hier Wild laufen sehen und urplötzlich mit Geheul auf und davon sind, um sich ihr Abendessen zu holen, ist eher gering. Len und Shina können hier nicht weit sehen, was heißt, dass sie auf ihre Nasen angewiesen sind. Sobald wir also mitbekommen, dass sie eine Fährte aufgenommen haben, können wir sie in aller Ruhe zur Ordnung rufen. Ganz abgesehen davon sind die zwei erfolglosen Fischfanatiker so sehr auf´s Wasser fixiert, dass sie nichts von der restlichen Welt mitbekommen. ….So, sie laufen also frei und unsere Hände sind es auch! Wie entspannend!

Wir laufen also durch die saftig grünen Isarauen, bis es anfängt zu dämmern, unsere Kräfte nachlassen und der Hunger größer wird. Endlich finden wir eine kleine, gemütliche Kiesbank, die für diese Nacht unser Schlafzimmer werden wird. Während wir ein wenig relaxen, kehrt das Leben auf der Kiesbank zur Normalität zurück. Ein Entenpärchen schwimmt auf und ab, sucht sein Abendessen; einige Meter weiter hüpft mit dem Schwanz wackelnd eine Bachstelze über die Kiesbank und fängt Insekten. Langsam nähert sie sich, bis sie schließlich direkt vor uns, ca. 2 m entfernt, eine ganze Zeit verweilt. Sie fängt Insekten und beobachtet uns – und fängt wieder Insekten und wir beobachten uns gegenseitig. Toll! Dieser kleine Vogel scheint uns wirklich interessant zu finden und hat keine Angst. Jetzt fühlen wir uns auf der Kiesbank willkommen, genießen unser köstliches Abendessen und (welch ein toller Luxus!) ein kaltes Bier.

Die Nacht wird ungewöhnlich erholsam. Wir schlafen bequem und trotz der niedrigen Temperaturen und der mit dem Schlafplatz verbundenen Feuchtigkeit trocken und warm.

Tag 2

Beim gemütlichen Frühstück in herrlicher Morgensonne studieren wir die Karte. In Anbetracht der scheinbar nicht mehr allzu langen Strecke spielen wir mit dem Gedanken, bis nach Icking weiter zu laufen. Einige Zeit später müssen wir diesen Plan jedoch verwerfen.

In einem unfassbaren Geschlängel, von dem Einem schlecht werden kann, weicht der Weg immer wieder der Isar aus, die versucht, ihn mit sich zu reißen. So schafft er es, auf einer möglichst kurzen Strecke eine möglichst große Länge zu erreichen.

Wir laufen also und laufen und Wolfratshausen kommt nicht näher! Die Landschaft wechselt zwischen feuchtem Auwald, der sich im leuchtenden Maigrün präsentiert, und trockener Heidelandschaft, die auf alten, nährstoffarmen und wasserdurchlässigen Kiesbänken entstanden ist.

Vor lauter Geschlängel, viel Sonne und Müdigkeit etwas verwirrt, machen wir eine Mittagspause am Flussufer. Die ausladenden, weißen Kiesbänke und die Mittagshitze geben uns das Gefühl, auf einer Südseeinsel zu sein. Aus fast unerklärlichen Gründen verschieben wir das Mittagessen und begnügen uns mit ein paar Heizplatten ( sehr kalorienreiche Keckse). Welch fataler Fehler!

 

Als wir weiter laufen, ist der Snack schnell verdaut. Jetztl gewinnt der Hunger die Oberhand und verlangt nach Fleisch! Wir werden beide zusehends bissiger. Gerade noch rechtzeitig, bevor einer von uns aufgegessen wird, machen wir uns ein köstliches Tütengulasch. Es ist immer wieder faszinierend, wie unglaublich lecker so was schmecken kann, wenn der Hunger nur groß genug ist!

Nach dem Essen geht es uns spontan besser. Trotzdem beschließen wir kurzerhand, dass wir genug haben, und zünden die Triebwerke. Mit Schallgeschwindigkeit düsen wir Richtung S-Bahn. Fertig, zufrieden und mit rot glühenden Sohlen kommen wir am Bahnhof an, wo wir wegen Gleisarbeiten eine Ewigkeit auf die nächste Bahn warten müssen! Das Gejammer ist natürlich riesen groß, aber die Freude noch viel größer, als sie endlich kommt und uns selig nach Hause bringt!