04.07-18.07 Nur ein Plan (Autor Don)

Um alles so schnell wie möglich erledigen zu können, haben wir uns einen tollen Plan zurechtgelegt. Während ich bei unserem Zoo bleibe und kleinere Reparaturen sowie große Reinigungen vornehme, sollte Julian mit dem Taxi, oder so,… nach Karlovo fahren um dort einzukaufen und auf die Post zu gehen. Und dann auf dem Rückweg im nahegelegenen Banja vorbeifahren um unsere Vorräte aus dem Depot beim dortigen Bürgermeister abzuholen. Dann am nächsten Tag noch schnell Packen und am übernächsten Tag endlich wieder los. Ein schöner Plan! Und einer der letzten Pläne den wir mit der Erwartung hatten ihn auch wie geplant umsetzen zu können. Nach fast 3Monaten in Bulgarien haben wir gelernt das ein konkreter Plan nicht mehr als eine gute Idee ist die zur groben Orientierung dient, und beginnen langsam mit dem Strom zu schwimmen. „Schauen wir mal was kommt und dann machen wir es anders, oder vielleicht auch gar nicht.“ Und plötzlich dehnt sich die Zeit und es entsteht Platz für Genuss.
…Nun aber wieder zum perfekten Plan für Karlovo….. Am Freitag versuchen wir vergeblich Emil, den Bürgermeister, anzurufen. Nach langem hin und her stellt sich heraus das er lediglich übers Wochenende in den Bergen ist und keinen Empfang hat. Gott sei dank! Hat er also doch nicht unser Hundefutter gegessen und versteckt sich jetzt vor uns. Allerdings meint Emil das er erst am Sonntag Nachmittag nach Hause kommt, und somit ist unser schöner Plan dahin…
Also ein neuer Plan: Ich nehme mir ein Taxi und fahre nach Karlovo zum einkaufen! Auch dieser Plan lebt nicht sehr lang. Leider ist in der nähe kein Taxi zu bekommen, aber in einem 4 km entfernten Dorf soll es !eines! Geben und außerdem einen Bus der alle 30 Min. nach Karlovo fährt.
„Klingt super!“ denke ich mir uns laufe munter los. Nach 4 km ist allerdings klar das es sich um bulgarische Kilometer handelt, und so laufe ich in der prallen Mittagssonne 8 km bis ich in Kalofer ankomme. Auf einer kleinen holprigen Straße am Dorfanfang treffe ich ein junges Paar das ich nach dem Taxi frage. „Oh nie, niema Taxi!“ Ist die Antwort, und die bedeutet nichts gutes. „ Kein Taxi in Kalofer!“ Es ist nur ein kleines Dorf und so etwas gäbe es hier nicht antworten mir die beiden. Den Bus hingegen würde es tatsächlich geben…. und zwar in 2 Stunden! Etwas ratlos und überfordert von dieser unerwarteten Situation mache ich mich auf in Richtung Bushaltestelle. Als ich an einem kleinen Lebensmittelgeschäft vorbeikomme, steigt aus einem PKW ein Mann mit seinem kleinen Sohn und betritt den Laden. Plötzlich habe ich eine Idee! Dieser nett und unschuldig wirkende Mann könnte mich in das 12 km entfernte Karlovo fahren.Unauffällig folge ich ihm in den Laden und frage die Verkäuferin nach dem nächsten Bus. Diese scheint etwas ratlos, denkt aber angestrengt nach. Mein Opfer hat meine Frage natürlich mitbekommen und telefoniert mittlerweile mit seiner Frau um sie nach dem Fahrplan zu fragen…..“ Sehr gut, scheint also Hilfsbereit zu sein!“ denke ich. Als er mir erklärt das der Bus grade abgefahren ist und der nächste erst in 2 Stunden fährt tue ich recht überrascht und erkläre den beiden wie viel ich noch zu erledigen habe. „ Und Taxi?, gibt es hier ein Taxi?“ frage ich scheinbar unwissend. „Nein, verdammt!…hmm vielleicht können sie mich ja fahren?“ frage ich den netten und hilfsbereiten Mann, mein Opfer. „Oh nein, geht leider nicht. Ich habe keine Papiere dabei, da ich nur kurz einkaufen wollte.“ antwortet er. „ Oh ich verstehe, trotzdem danke!“ Ich bin etwas ratlos, habe aber meinen Plan noch nicht aufgegeben. Ich starre auf den Boden und versuche möglichst Mitleiderregend zu wirken, schweige ein wenig und lasse dieses Bild wirken. Und tatsächlich, es funktioniert! Nach 2 Minuten meint der nette Mann das er seine Papiere holt und mich fährt 😉 Perfekt!
Endlich in Karlovo angekommen schaffe ich es fast die ganze lange Besorgungsliste abzuarbeiten.
Mit jedem Geschäft wächst meine Sorge das mich die ganzen Einkäufe in den Boden drücken, und so komme ich schließlich mit 35 kg, verteilt auf Rucksack und 2 Tüten, beim Taxi an.
Am nächsten Tag fährt Julian mit dem Taxi zu dem Depot und kommt ähnlich beladen zurück. 15 kg Hundefutter, haufenweise Fertigfutter für uns Repellent für die Tiere, und einem Paket von Julians Mutter. Wir hatten sie um einigen Kleinkram wie z.B. Blasenpflaster ( gibt’s in Bulgarien nicht) gebeten und vor allem Schuhersatz für Julian! Seine angeblich so langlebigen und robusten Bergstiefel haben bereits nach 150 km ihren Geist aufgegeben! Bei beiden Schuhen löste sich die komplette Sohle ab! Der arme Julian verbrachte viele Abende mit erfolglosen Versuchen die Schuhe mit den hier verfügbaren Klebern zu richten.
Leider sollte sich 2 Tage später bei den neuen Schuhen die gleiche Katastrophe anbahnen. Inzwischen geht übrigens auch bei meinen Hanwag´s die Sohle ab! Immerhin haben diese fast ein Jahr gehalten. Was allerdings aus meiner Sicht bei 200 € pro Paar trotzdem eine Frechheit ist.
Naja auch hier wird sich eine Lösung finden! Das Paket enthielt also Hauptsächlich „hochqualitative“ neue Stiefel. Um uns eine Freude zu machen fügte die liebe Dani dem Paket allerlei kleine Überraschungen bei! Es war wie Weihnachten! Nüsse Riegel, Vitamine, Pferde- und Hundeleckerlis…..
Jetzt blieb also NUR noch das Packen! Also breite ich alles aus um einen Überblick zu bekommen….“ Um Gottes willen, wie soll ich das nur alles unterbringen.!?!“
Nachdem wir unser Equipment noch einmal Gründlich durchgesehen haben und einiges Aussortiert haben, habe ich es nach über einem Tag packen und sortieren tatsächlich geschafft alles in den Packtaschen zu verstauen. Ich habe sogar die Vermutung zu wissen wo was zu finden ist. Endlich sind wir bereit unseren Weg im über 40C° heißen und staubtrockenen Backofen des ca. 60km breiten Tales fortzusetzen. Vor uns liegen ca. 30km die wir so schnell wie möglich hinter uns bringen wollen um der zivilisierten Welt wieder zu entkommen und in die zivilisierte Wildnis aufzusteigen. Aufgrund einiger Fehlinterpretationen hatten wir erwartet der Balkan wäre ein riesiges Gebiet unberührter Wildnis , wo wir Tagelang wandern könnten ohne einer Menschenseele zu begegnen. Statt dessen haben wir die zivilisierte Wildnis vorgefunden. In vielen Teilen des Balkans leben die Menschen stark verbunden mit der Natur. Manchmal scheinen sie allerdings nicht zu wissen wie empfindlich dieser Schatz ist der ihnen das Futter für ihre Tiere, Holz für warme Winter, köstliches Wasser und viel genutzte Kräuter liefert. Es ist interessant und schön zu beobachten wie eng die Zivilisation mit der Natur verflochten sein kann ohne die Wildnis zu zähmen.
Nachdem wir 2,5 Tage lang gebraten, vom heißen Fön aus den bergen getrocknet, und vom Staub paniert wurden kommen wir endlich in Sopot an wo wir wieder aufsteigen wollen. Da wir über 1000hm am Stück und ohne Schatten bewältigen müssen, beschließen wir hier zu bleiben und den Aufstieg so früh wie möglich zu beginnen. Über den frühen Feierabend im dürftigen Schatten, und vor allem über die aufziehenden Quellwolken, sind alle sehr froh. Kamchi wälzt sich genüsslich und ruht sich aus während wir ein laukaltes Bier genießen. Eine halbe Stunde wälzt sie sich immer noch, steht auf und geht ein Stück weiter, wälzt sich erneut und bleibt flach auf der Seite liegen….Ein untypisches Verhalten, und wir beginnen uns Sorgen zu machen und untersuchen die kleine Maus. Puls Ok, Atmung gepresst und etwas zu schnell und die Schleimhäute sind auch etwas blass! Wir beschließen Ihr ein Mittel gegen Kolik ( Bauchweh ) zu geben das wir aus Deutschland mitgebracht haben. Zu dem Kontaktieren wir unsere „Pferdefachfrau“ Dani, und versuchen unseren Tierarzt in Deutschland zu erreichen. Hier können wir es vergessen einen solchen zu bekommen. Inzwischen geht es unserem Maul noch schlechter! Sie bleibt immer länger auf der Seite liegen und schnauft schwer. Wir verabreichen ihr nochmal die Medizin und laut Beipackzettel sollte es ihr bald besser gehen ( falls es die richtige Medizin ist ) Und zudem führt sie Julian auf Danis anraten hin ausgiebig Spazieren. Bange Minuten vergehen….. und nochmal Medizin. Endlich scheint es ihr ein wenig besser zu gehen. Gott sei Dank! Wahrscheinlich hatte sie am Vorabend, als wir ungeplant in einer Schrebergartenanlage übernachten mussten, zu viel Pflaumen erwischt. Wahrscheinlich waren die ganzen Kerne, die sie im Gegensatz zu Aische mitfrisst, der Auslöser für die Kolik.

Sprüche aus dem Alltag: Suche nach einem geeigneten Zeltplatz.
“Ist ok, da haben wir schon schiefer geschlafen!”

Da sich Kamchi sehr schnell erholt und ihr nach ein paar Stunden nichts mehr anzumerken ist, wagen wir nach Rücksprache mit unserem Tierarzt am nächsten Tag den langen und schwierigen Aufstieg. Der Anfangs lehmige und sanft aufsteigende Feldweg verwandelt sich schnell in eine steile Schotterpiste. So vollbeladen wie wir alle sind , sind die steilen und zum Teil aus glatten Felsplatten bestehenden Passagen eine echte Herausforderung. Gegen Ende des Aufstiegs brauchen die müden und tapferen Huftiere einigen Zuspruch und viel gutes Zureden, und noch mehr Leckerlis. Inzwischen haben sie viel Muskulatur aufgebaut und sind viel Trittsicherer geworden als am Anfang, wo dieser Abschnitt durchaus hätte zum Problem werden können. Der Esel hat einen guten Gleichgewichtssinn entwickelt und droht nicht mehr bei jeder Gelegenheit umzufallen, was tatsächlich schon passiert ist! Sie rutschte mit einem Hinterbein aus und verlor das Gleichgewicht, um sich wieder fangen ging sie 2 Schritte rückwärts, wo sie auf den morastigen Boden eines Bachbettes traf und endgültig das Gleichgewicht verlor. Die arme Maus lies sich auf die Seite fallen und blieb mit den Beinen hangaufwärts schwer atmend liegen. Sofort eilten wir ihr zu Hilfe und befreiten sie von ihrem Gepäck damit sie wieder besser aufstehen konnte. Wieder auf den Beinen lies sie sich anstandslos und ohne zu zögern die schwierige Stelle wieder hinaufführen und oben wieder seelenruhig aufsatteln. Es machte den Anschein als hätte uns 2 dieser Vorfall mehr schockiert als das tapfere Eselchen. Ansonsten ist sie wie schon gesagt sehr Trittsicher geworden und setzt ihre Hufe sehr überlegt und genau. In schwierigen Passagen verlässt sie sich ganz auf mich und lässt sich Zentimeter genau manövrieren. Sollte ich es jedoch nicht schaffen sie ordentlich zu führen, nimmt sie es mir sehr übel und folgt mir die nächste Zeit nicht mehr so bereitwillig. „Du hast nicht aufgepasst und ich bin katastrophiert! Mit dir will ich nicht mehr gehen!“ Ich denke auch hier wird deutlich das sich die anfangs so verschlossene Aische sich langsam öffnet. Auch Kamchi hat große Fortschritte gemacht. Ihre Körperbeherrschung war schon immer sehr gut, das Problem war ihr Temperament. Ohne groß zu überlegen polterte sie eigenverantwortlich und ohne Rücksicht auf Verluste über Hindernisse und schwierige Stellen.Inzwischen hat sie oft genug die Erfahrung machen dürfen das Julian den einfachsten und sichersten Weg wählt, so das sie ruhiger geworden ist und sich nun auch meist gut führen lässt und die Gefahr von ihr einfach über den Haufen gerannt zu werden ist nicht mehr so groß. Im laufe der Zeit ist Kamchi auch Geistig richtig aufgeblüht und ist eine starke und selbstbewusste Persönlichkeit geworden die sich uns gegenüber sehr kontaktfreudig zeigt. Zu dem ist sie ein kleines, oder vielleicht doch eher großes Schlitzohr das oft zu Späßen aufgelegt ist……eine sehr nette und interessante Persönlichkeit, die aber auch manchmal sehr schwierig sein kann. An dieser Stelle möchten wir noch einmal betonen wie dankbar wir diesen tollen und tapferen Tieren, für all das was sie auf dieser Reise leisten, sind! Auch wenn sie uns manchmal zur Verzweiflung treiben und auf unseren Nerven lustig Gitarre spielen, sind die Umrechnungen in Kilos Sujuk ( Wurst ) pro Tier nicht wirklich ernst. Inzwischen sind es ja unsere Freunde und Familienmitglieder.
Und sie hätten es sich wirklich verdient nach dem langen und anstrengenden Aufstieg endlich Feierabend zu machen! Auch wir freuen uns darauf unsere müden und durchgebratenen Knochen auszuruhen…und wir können uns noch eine ganze Weile darauf freuen! Die Hütte die das Tagesziel ist, hat geschlossen! Da wir nicht wirklich auf Hütten angewiesen sind, sondern eher auf das dortige Brunnenwasser, ist die Tatsache das diese mitten im Wald liegt viel schwerwiegender! Das Grass hier würde grade für eine Ziege reichen, aber niemals für unsere 2 hungrigen Mäuler. So bleibt uns nichts anderes übrig als die nächste Hütte anzusteuern. So wird dieser Tag zu einem der bis jetzt anstrengendsten in Bulgarien ( mit ca. 1500hm Aufstieg, 300hm Abstieg, und ca. 28 km Strecke)
Am späten Abend sitzen wir dann mit den Hüttenwirten der „ Hija Dermenka“ an einem Tisch und genießen den hausgemachten Wein, während alle anderen wie Touristen behandelt werden. Die Wirte versprechen uns einstimmig das der nächste Teil der Strecke.für unsere Tiere kein Problem darstellen würde. So brechen wir am nächsten Morgen bei nicht allzu stabil erscheinendem Wetter in Richtung „ Kozia Stena“ auf. Wir wandern über sanfte und typisch balkanische Grasbuckel, begegnen mehreren Herden selbstbewusster und neugieriger Pferde, bis wir endlich am frühen Abend an der fraglichen Passage ankommen. Einem richtigen Berg mit steilen grasigen und von großen Felsblöcken durchzogenen Flanken. Auf der suche nach einem möglichen Weg lasse ich meinen Blick darüber schweifen und muss schlucken: „Schon steil!“ Bevor es endgültig in die Flanke geht machen wir auf einem kleinen Sattel halt um den Tieren für optimale Trittsicherheit die Schuhe auszuziehen. Ich nutze die Gelegenheit und gehe einige Meter um den Weg auszukundschaften und mich seelisch drauf einzustellen. Der Esel darf ja nicht wissen ob ich eine Stelle für gefährlich halte, sonst kommt er nicht mit! Nach ca. 50m erwartet mich eine angenehme Überraschung! Von hier aus schaut die Flanke bei weitem nicht so steil aus wie angenommen. Vor mir schlängelt sich ein malerischer kleiner Pfad zwischen Felsblöcken und flachen und kreisrunden Wacholderbüschen.Entspannt können wir nun weiterlaufen und uns an dieser tollen Berglandschaft erfreuen, während in sicherer Entfernung ein Gewitter nach dem anderen vorbeizieht. Nach ca. 1km
wird die Flanke dann doch immer steiler, bis sie dann endgültig „sehr steil“ wird. Da der Weg gut ausgetreten ist und parallel zur Flanke verläuft ist das jedoch kein Problem. Bis wir zu einer 4 Meter langen, schmalen Felsrinne kommen. Mit den Tieren eine Sackgasse! Wieso das denn?!? 1,5 km vor dem Ziel und dem nächsten Wasser. Das kann jetzt aber nicht Wahr sein!
Während Julian die Tiere festhält gehe ich in Ruhe die Lage erkunden und finde tatsächlich eine Umgehung. Die ist zwar auch nicht ungefährlich, sollte aber ohne Sättel zu machen sein. Bevor wir dieses Risiko eingehen überprüfe ich noch den weiteren Verlauf, denn allein das Wenden könnte in diesem ausgesetzten Gelände zum Problem werden. Und tatsächlich ist das eine gute Entscheidung, hinter der nächsten Kurve wartet die nächste Herausforderung! Nach dem wir uns kurz beratschlagen sind wir uns einig das wir die Tiere absatteln, und dann die ganze Ausrüstung selber auf die andere Seite tragen müssten um die Passage halbwegs sicher machen zu können. In Anbetracht der Uhrzeit und der immer neuen Gewitterwolken entscheiden wir uns in einem kleinen Tal unterhalb der Flanke zu nächtigen und das ganze ausgeruht anzugehen.

Spruch aus dem Alltag, bedingt durch die Wasserknappheit:
“…das geht schon noch, ist ja noch fast sauber!”

Am nächsten morgen wachen wir beide mit einem flauen Gefühl im Magen auf. Werden unsere Tiere das wirklich schaffen? Wir sind sehr hin und hergerissen ob wir nicht doch umkehren sollen, zumal die Karte für die nächsten Berge auch spannende Stellen verspricht welche für die Packtiere zu schwierig sein könnten. Und je weiter wir gehen umso mehr schwierige Stellen müssten wir wieder zurück, sollten wir umkehren müssen. Andererseits heißt umkehren jetzt schon Abstieg in den über 1000 Meter tiefer gelegenen Backofen und mindestens 3-5 Tage Umweg.
Zudem sind wir unter Zugzwang, da Julian der Wasserspürhund trotz einer über 2 stündigen Suche nur ein wenig Güllewasser erbeuten könnte. Inzwischen ist nur noch 1 Liter Trinkwasser da und wir haben allesamt Durst! Julian zieht schließlich nochmal alleine los und sondiert die Lage. Er kommt mit schlachten Nachrichten zurück. Den 2 schwierigen Stellen folgen noch 3 weitere. Bei einer davon ist wirklich zu bezweifeln ob wir Packtiere heil rüberbekommen. Auch der Weg über den Grat den Julian erkundet steht nicht zu Debatte, dort oben musste letztes Jahr ein armer Japaner übernachten der mit den Klettereinlagen und der Ausgesetztheit überfordert war.
„Mist! Verdammter Mist! Also doch wieder in den Backofen!“ Ziemlich entmutigt schlurfen wir also den Weg zurück um den nächsten auf der Karte eingezeichneten Cesma zu suchen. Auf dem Weg dorthin treffen wir einen Pferdehirten der uns zum Glück in unserer Entscheidung bestätigt, und uns somit den Abstieg etwas erleichtert.
Allesamt halb vertrocknet und von der Mittagssonne gut durchgebraten erspähen wir endlich die uns allen gut bekannte Form eines Cesmas und legen noch einen Schritt zu. Als erstes kommen die Hunde an und sind Verzweifelt. Kein Wasser! Der Cesma scheint schon vor langer Zeit ausgetrocknet zu sein. Dir Tröge sind voll mit Erde und überwuchert. Entsetzlich! Es bleibt nichts anderes übrig als nach einer Quelle zu suchen die laut Karte in ca. 1 km Entfernung befinden soll. Ist die auch trocken, wie so viele andere Quellen die wie die letzten Wochen aufgesucht haben, müssten wir ca. 9 km laufen um den nächsten Brunnen zu erreichen. Wir beten!…. und werden erhört! An Stelle der eingezeichneten Quelle finden wir einen wunderbaren Cesma. Leckeres und eiskaltes Wasser sprudelt in einem dicken Strahl aus dem Brunnen und verschafft uns allen Erleichterung. Shina, der die Hitze sichtlich zu schaffen macht, klettert in das Becken und geniest mit geschlossenen Augen die Abkühlung. Erleichtert über die Erfrischung beschließen wir spontan Feierabend zu machen, befüllen alle Kanister und Flaschen mit dem kostbaren und seltenen Nass, und machen uns auf den Weg zur nächsten Lichtung wo wir in Ruhe über das weitere Vorgehen nachdenken wollen.

Während wir die Karten studieren walten unsere Schoßhunde ihres Amtes und verbellen alles was ungefährlich ist. Seit der Nacht als ein Rudel Schakale heulend bis auf 20 Meter an unser Lager kam und wir die beiden dazu angestiftet haben die Schakale zu verbellen, sind gewisse Instinkte erwacht…Leider scheint es den 2 aber nicht so ganz klar zu sein was es bedeutet ein Wachhund zu sein. So Tigern sie schon mal los und verbellen das glitzern im Morgentau, vorbeiziehende Wolken, einen Vogel der einen Ton in seinem Lied nicht richtig trifft, oder einen von uns der nach einem kurzen Ausflug plötzlich wieder im Lager steht. Fremde hingegen werden oft erst dann beschimpft wenn sie fast in ihrer Futterschüssel stehen. Erstaunlicherweise können wir sie trotzdem erfolgreich dazu einsetzen das Lager zu bewachen. Wenn es mal vorkommt das wir beide das Lager verlassen müssen, binden wir die Hunde an (da sie uns sonst hinterher schleichen würden), und sie behalten die Umgebung in der Hoffnung das wir endlich wiederkommen genau im Auge. In diesem Fall, vielleicht weil sie alleine etwas verängstigt sind, verbellen sie zuverlässig alles was in Sichtweite kommt. Auch das Fernhalten von Kühen vom Lager gehört mittlerweile zu ihren Aufgaben. Len hat sich zwar anfangs von 3 Monate alten Kälbchen scheuchen lassen, seit jedoch eines Abends eine Herde von 30 Kühen durch unser Lager ziehen wollte und vertrieben werden musste ist das kein Thema mehr. Ich rief die Hunde zu mir und lief mit dem Bergstock fuchtelnd auf die Herde zu. . Die kleine Shina die in den Alpen schon immer mithelfen wollte, explodierte förmlich: „Endlich darf ich auch mitmachen!“ Und schon war sie mitten in der Herde und scheuchte die größte aller Kühe, den Bullen. Mit Erfolg! Len war zwar etwas schüchterner, doch auch er kam mit stolzgeschwellter Brust zurück. Die ganze Herde riesiger Monsterkühe war vor ihm weggelaufen! Als sich am nächsten morgen eine Kuh am Horizont zeigte, rasten unsere 2 tapferen Beschützer los und vertrieben ganz selbstständig das gehörnte Monster und kamen stolz und strahlend zurück.

Nicht nur für uns ist diese Reise ein großes Abenteuer!