Hochstaufen 1771m

Pidinger Klettersteig
20.05.2011

Eigentlich wollten Daniel und ich uns in Rosenheim mit Bofi treffen, um zum wilden Kaiser und Wiedauer Steig zu gehen. Ein leichter einstiger Klettersteig. Kommt natürlich wieder anders als gedacht, Bofi hat auf den letzten Drücker die Tour umgeplant und wegen schnellerem Zustieg den Pidinger KS ausgesucht. Als ich mir am Abend vorher noch schnell das Topo und ein paar Bilder im Netz anschaue hab ich dann auf einmal ziemlich die Buxxe voll! 750 Meter senkrechter Fels! Naja, bis zum ersten Notausstieg geht’s nicht über Schwierigkeitsgrad C hinaus…

Ein Versuch ist es wert, technisch bin ich mir sicher dass ich das packe – und dann kann man ja immer noch weiter schauen. Nach Zug und Autofahrt sind wir gegen 10.00 endlich am Parkplatz und schwingen uns auf die Räder in Richtung Zustieg. Technisch schaut der untere Teil nicht allzu tragisch aus, was mich dann doch ziemlich ermutigt. Und tatsächlich stellt der erste Teil kein größeres Problem dar. Auch die rasch zunehmende Höhe bereitet mir keine Probleme, da der Steig gut gesichert ist und ich zur moralischen Unterstützung zwischen den beiden alten Hasen klettere. Das Gelände ist auch noch recht einfach und bietet nette Kraxelei und einige Gehstücke auf denen man die Aussicht genießen kann. Bis zum ersten Notausstieg läuft es richtig cremig, und ich amüsiere mich prächtig.

Also entschließe ich mich, das nicht allzulange aber schon um einiges knackigere Stück bis zum zweiten Notausstieg auch noch in Angriff zu nehmen. Leider steckt eine andre Gruppe am Einstieg in den nächsten Abschnitt fest. So ist erst mal Zwangspause und Brotzeit angesagt. Als endlich alle in der Wand sind treiben uns vereinzelte Regentropfen zur Eile. Los geht’s gleich mit einer recht knackigen senkrechten Wand (D), die schon etwas schwieriger ist,als die Stellen im unteren Stück. Teils ist nix mehr mit Klettern, sondern reines hochackern am Seil angesagt. Nach ca. 100 Metern senkrechter Kletterei folgt eine Querung nach rechts zum letzten Ausstieg. Wir machen nochmal eine kurze Brotzeitpause um Kalorien zu tanken für die letzte Hälfe.

Das Wetter hat sich mittlerweile wieder beruhigt. Würzig und kraftraubend geht es über Pfeiler und Grate gute 200 m senkrecht rauf. Wunderchöne Tiefblicke ins Tal und ins Alpenvorland verleiten zum fotografieren. Nicht immer ganz einfach in der Senkrechten…. Ist aber ein gutes Höhentraining. Natürlich ist schon eine Menge Nervenkitzel und Adrenalin im Spiel, aber das bewegt sich alles in natürlichem, gesundem Rahmen. Dann folgt eine lange Querung nach links („Panoramasteig“ mit herrlichem Ausblick) mit leichter Kletterei. Langsam macht sich dann doch auch Erschöpfung breit, das immer noch lädierte Knie hab ich mir auch wieder gscheid angehauen und die Haut an den Fingern hängt teils schon in Fetzen. Aber wenigstens bin ich nicht der Einzige, der anfängt zu jammern. Und das Beste kommt zum Schluss, soweit ich mich erinnern kann. Ein 250m Pfeiler mit schwerer bis sehr schwerer Kletterei…. oder doch der Hubschrauber…;) ?

Spaß beiseite, nützt ja nix, jetzt geht’s ans Eingemachte. Zum Glück wird der Fels zusehends besser, bietet schöne Griffe und Tritte und ist auch nicht mehr so speckig wie im unteren Teil. Wie auf der ganzen Strecke sind natürlich auch hier reichlich Stellen dabei, an denen nur noch Klammern weiterhelfen, oder man das Seil hochoxxn muss. Beim Wandbuch bietet ein kleiner Absatz nochmal eine kurze Pause vor dem letzten Aufschwung. An der Stelle teilt mir Bofi freudig mit, dass das angeblich einer von Deutschlands schwersten Klettersteigen ist; danke… gut fürn Einstieg – hätte er mir das unten gesagt, hätte ich mit Sicherheit den Normalweg genommen. Der letzte Aufschwung hat´s aber auch nochmal richtig in sich, kurze Querung mitten in die Wand hinaus mit ordentlich Luft unterm Hintern und dann über Klammern durch einen leichten Überhang. Da ist nochmal richtig beissen angesagt.

Bei der Gelegenheit verpasse ich Daniels neuem Helm gleich die erste Macke, einer der Tritte zerbröselt mir unterm Stiefel und regnet über Daniel ab. Endlich wuchte ich mich über die letzte Kante und kann schon das Gipfelkreuz des Hochstaufen sehen! Jetzt ist es aber auch gut, die letzten 250m haben nochmal richtig Kraft gekostet. Vom Gipfelkreuz aus kann man schon das Reichenhaller Haus sehen, wo ein kühles Radler und eine warme Mahlzeit auf uns warten. Nach einer ausgiebigen Pause in der Sonne machen wir uns über den Normalweg an den Abstieg. Dieser führt über einige gesicherte Stellen gut markiert hinab in den Wald, wo wir rechts zur Kochalm und unseren Rädern abbiegen. Mittlerweile türmen sich kilometerhohe Gewitterwolken um uns auf, perfektes Timing. Bofi bringt uns nach Rosenheim zum Zug und sobald wir im eingestiegen sind, bricht das Unwetter los.