Rund um den Schwarzsee

25km; 2500hm;
03-05.10.16
Teil 1: Drei wunderbare Tage rund um den Schwarzsee bei winterlichen Temperaturen.
Tag 1:

Nach langer Fahrt und bepacktem Aufstieg machen wir es uns in einer der beiden nagelneuen Biwakhütten gemütlich. Die beiden Hüttchen sind einfach ein Traum. Die perfekte Lage oberhalb des Schwarzsees, die Süd-Ostseite ist komplett verglast und bietet eine grandiose Aussicht, drinnen ist es sauber und wir sind froh eine Zuflucht vor dem eisigen Wind zu haben. Das einzige was das noch toppen könnte währe ein Ofen, aber so warm wollen wir dann auch wieder nicht duschen 😉  Zeitig zum Sonnenuntergang gehts noch schnell auf den “Hausberg” wo wir in den Genuss eines phänomenalen Sonnenuntergangs kommen. Wieder auf der Hütte wärmen wir uns bei einer Tütensuppe und schlummern bald seelig und dick eingemummelt in unseren Schlafsäcken.

Tag 2:

Was für ein Morgen! Durch das Panoramafenster scheint die aufgehende Sonne auf unsere Schlafsäcke während wir gemütlich einen heißen Kaffe schlürfen und die herrliche Aussicht geniessen. So könnte der Tag ruhig öfter Anfangen! Als wir uns aufraffen ist es draussen immernoch bitterkalt, der Föhnsturm zerrt ans uns und kriecht in jede Ritze unserer vielen Kleidungsschichten. Obwohl wir eingepackt sind wie Michelinmännchen will uns den ganzen Tag nicht warm werden und sobald eine Wolke vor die Sonne zieht hat es gefühlte -15°C.

Unsere erste Tour geht erstmal in Richtung Kreuzspitze. Schon gleich am Anfang wirds etwas verzickt den richtigen Weg durch das verschneite und verblockte Gelände zu finden. Alles was nicht direkt südseitig in der Sonne liegt ist mit eis und Schnee gezuckert. Die Südhänge sind dagegen am Vortag alle abgetaut. So wandern wir durch einen Wechsel aus herbstlichen Wiesenhängen und verschneiten und vereisten Flanken bis wir in der Scharte zwischen Rotlahner und Gr.Heimwald stehen. Hier finden wir sogar ein windstilles Plätzchen wo wir eine kurze Pause einlegen um die fantastische Aussicht auf die Dolomiten geniessen können ohne gleich festzufrieren. Weiter gehts über den Rücken des Rotlahners in richtung Gipfel. Das Wetter sieht mittlerweile wenig erfreulich aus, es wird immer wolkiger und aus Nordosten ziehen rasch die ersten Schneeschauer auf. So entschliessen wir uns auf dem Rotlahner lieber wieder umzudrehen und statt auf die Kreuzspitze weiterzugehen uns lieber am Großen Heimwald zu versuchen. Zum Glück sieht es so aus als könnte sich das Wetter noch eine Weile beherschen und wir folgen den überschneiten Steigspuren bis zum ersten nordseitigen Aufschwung. Hier darf man das erstemal etwas zupacken, bestimmt eine nette Angelegenheit, aber die Schnee- und Eisauflage gestalten die Sache extrem heikel.  Die nächsten Meter auf dem Grat ist es wieder schön abgetaut und freigeblasen bis die nächste nordseitige Querung vor uns liegt die zur nächten nordseitigen Rinne leitet. Nach den ersten paar Schritten auf dem verschneiten und doch etwas ausgesetzten Band haben wir dann aber genug. Der Schnee ist wie Schmierseife und die wenigen freiliegenden Felsen sind mit Eis glasiert. Der kleinste Ausrutscher würde hier einen unfreiwilligen und sehr schnellen Abflug bedeuten. Also besser wieder zurück. Die erste Stufe die wir bereits überklettert haben erweist sich im Absteig natürlich erst recht als sehr hässlich wegen der Schmierseife. Aber muss man sich halt zeitlassen und wie einer unserer Bergkameraden immer sagt: ” Darfst halt nich runterfallen”….Ein bisschen frustriert machen wir uns auf den Rückweg zur Biwakschachtel. Der kurze Versuch hat uns verdeutlicht das wir uns wohl ziemlich einschränken müssen, zumal das Wetter eher noch kälter werden soll, und wir jegliche Bergsteigerei die nicht südseitig ist vergessen können. Aber wir lassen uns nicht so schnell unterkriegen. Die winterliche Landschaft ist einfach wunderschön, die Biwakschachtel ist einfach nur super, und es gibt auch genug schöne Wanderungen in der Gegend!

Nachdem wir uns im Biwak kurz aufegwärmt haben machen wir zum Sonnenuntergan noch kurz die Überschreitung unserer beiden “Hausberge”. Südseitig, schneefrei, und mit bombastischer Aussicht zum Hauptkamm der sich in gespenstische Wolken und Schneetreiben hüllt und den Dolomiten die sich wie feurige Drachenzähne in den Abendhimmel recken.

Tag 3:

Die Nacht war wieder ziemlich kalt und draussen hat es so gestürmt das es sogar in der Biwakschachtel etwas zugig war. Die Temeratur drinnen dürfte nur knapp über dem Gefrierpunkt liegen, und das Zahnputzwasser treibt einem die Tränen in die Augen weil sich das Gesicht nicht entscheiden kann ob einem zuerst die Zähne rausfallen oder das Hirn einfriert. Auch der morgendliche Gang zum Klo zeigt was der Winter hier oben zu bieten hat… Aus der zum Glück sauberen und nach Torf duftenden Trockentiolette weht ein eisiger Sturm ums Gesäß und mann muss sich sehr kurz fassen damit einem keine wichtigen Teile abfrieren. Zum Glück  küsst der Sonnenaufgang wieder unsere Schlafsäcke während wir unseren heissen Kaffe geniessen und uns ein letztes mal aufwärmen bevor es endgültig in den eisigen Nordföhn hinausgeht. Heute gehts zur Hochkreuzspitze die sich auch sehr schneefrei präsentiert. Gegen Mittag stehen wir dann auf dem Gipfel und geniessen mal wieder die fantastische Aussicht. Wir gehen noch witer bis zum nächsten namenlosen Gipfelchen und geniessen anschliessend in einer windgeschützten Senke ein warmes Fertigfutter. Hier ist es so geschützt uns sonnig das wir das erste mal “nur” im Pulli die Sonne geniessen können. Auf dem Rückweg wollen wir uns noch an der Pfannspitze versuchen. Auch wenn wir schon im Vorfeld wenig Hoffung haben, denn mollte mann vom Grat in die Nordflanke ausweichen müssen ist wegen dem Eis bestimmt wieder schluss mit lustig. Auf dem Hellboden angekommen zeigt sich der Grat zunächst noch recht gutmütig, und die wenigen vereisten stellen sind zwar mit Vorsicht zu geniessen aber dennoch gut zu machen. Hier und da finden sich sogar Steigspuren die anfangs noch Südseitig um einige Gratzacken herumleiten. Immernoch versucht uns der eisige Föhnsturm vom Grat zu reissen wenn wir auf der Schneide lauffen müssen. Etwa auf halber Wegstrecke kommt es wie es kommen musste: Ein ziemlich schneidiges Gratstück das wohl nordseitig umgangen werden muss. Der Versuch die ziemlich brüchige und luftige Gratschneide direkt zu überklettern scheitert als ich nach 15 Metern an einem senkrechten und grifflosen Abbruch stehe. Nordseitig ausweichen fällt wie erwartet aus. Zwar zieht sich ein schmales Band durch die Wand, aber nach wenigen Schritten reicht es uns schon wieder, eisig, seifig, und ein Ausrutscher währe hier fatal…… So machen wir uns etwas frustriert und ratlos auf den Rückweg zur Biwakschachtel. Die Riepenspitze die sich so imposant vor unserem Zuhause aufbaut und mit der wir schon seit dem ersten Tag liebäugeln ist nur über die vereiste Nordseite zu besteigen und es macht bei den Bedingungen keinen Sinn es überhaupt zu versuchen. Auch die anderen ernstzunehmenden Berge erscheinen uns bei den Bedingungen nicht machbar. So wird spontan umgeplant und wir packen unsere sieben Sachen und machen uns auf den Weg ins Tal, um am nächsten Morgen den Dolomiten einen Besuch abzustatten.